In Eisingen kann man aufgrund seiner günstigen Höhenlage in den Spessart und in die Vorderrhön blicken und mit die schönsten Sonnenuntergänge im Landkreis Würzburg beobachten. Windkraftanlagen sind so weit auf Distanz, dass sie sich auf den Betrachter kaum störend auswirken. Der begünstigte Luftaustausch ermöglicht selbst im bebauten Ortsbereich oftmals einen Blick auf einen Sternenhimmel, wie ihn viele so gar nicht mehr kennen. Alle im Blog veröffentlichten Bilder ohne Ortsbenennung wurden hier aufgenommen.

Geographische Lage: 49º 45′ 35” Nord, 9º 49′ 52” Ost

Eisingen am Abend des 1. Advent - 3. Dezember 2017 um 21:31 Uhr
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Ortschronik von Eisingen

Eisingen liegt in einem bereits von Kelten und Germanen geschätzten Siedlungsraum. Jungsteinzeitliche und bronzezeitliche Siedlungen im Guttenberger Wald südöstlich des St. Josefs-Stifts sind nachgewiesen.

Der zu Eisingen gehörende Weiler Erbachshof dürfte aus einer Fliehburg hervorgegangen sein. Ob dieser schützende Ort auch von den zu Beginn des 7. Jahrhunderts n. Chr. hier siedelnden Franken benutzt worden ist, lässt sich nicht sagen. Mit der Freilegung eines fränkischen Reihengräberfeldes am nördlichen Ortsrand der Gemeinde Eisingen wurde 1966 durch Grabbeigaben diese fränkische Siedlung einwandfrei in die erste Hälfte des 7. Jahrhunderts datiert. Durch diese fränkischen Siedler dürfte Eisingen auch seinen Namen erhalten haben. Die aus dem Fulda-Urkundenbuch erhaltene erste nachgewiesene Schreibweise für unsere Gemeinde lautete "Isilingen". Man darf annehmen, dass die frühfränkische Siedlung von einem Yso ihren Namen erhielt.

In einer Urkunde des Bischofs Burkard von Würzburg aus dem Jahre 748 wurde auch eine Kirche bei "Erpurg" genannt. Um 1170 dürfte diese Kirche am Erbachshof nicht mehr bestanden haben, denn Hettstadts Kirche war zu dieser Zeit auch Pfarrkirche für Eisingen. Allerdings wird 1355 wieder eine Kirche zu Eisingen als bestehend erwähnt.

Eisingen und sein Weiler Erbachshof wechselten im früheren Mittelalter ihre Besitzer, bis Dompropst Johannes von Allendorf neben reichen Besitzungen anderorts auch den Erbachshof und zum großen Teil die Gemeinde Eisingen sein eigen nannte. Der "Spitalwald" wurde vom Dompropst in seine Spitalstiftung bei St. Burkard in Würzburg eingebracht. Die Gemeinde selbst stand über mehrere Jahrhunderte hinweg unter der Herrschaft des Ritterstiftes St. Burkard.

Um 1500 dürfte der Würzburger Bildschnitzer Tilman Riemenschneider das Kruzifix geschaffen haben, das vermutlich in den Wirren der Säkularisation vom Kloster Oberzell nach Eisingen in Sicherheit gebracht worden sein dürfte. Dieses bedeutende Kunstwerk wurde in den Jahren 1977 und 1978 in den Werkstätten des Bayer. Landesamtes für Denkmalpflege in München von den vielen entstellenden Übermalungsschichten freigelegt. Der Korpus zeigt sich nun in seiner ursprünglichen Fassung und in seiner tiefen Ausdruckskraft. In der künstlerischen Bedeutung ist der Eisinger Kruzifixus von Riemenschneider dem von Tettwang, Aub und Steinach wohl noch vorauszustellen.

Im Mittelalter wie auch in der beginnenden Neuzeit lebte die Bevölkerung Eisingens sicherlich vom Wald, der sich sehr nah an das Dorf heranschob und in dem die Bürger Holzrechte besaßen. Überwiegend kleinere landwirtschaftliche Betriebe brachten den Einwohnern dürftigen Unterhalt. Die "Weinbergstraße" im ehemaligen Wengertgebiet unserer Gemeinde erinnert daran, dass auch hier einst Wein angebaut wurde.

Die Eisinger Pfarrkirche St. Nikolaus, in welcher sich das Kunstwerk von Tilman Riemenschneider befindet, wurde in den Jahren 1836 bis 1840 neu errichtet. Die alte Pfarrkirche war wegen Baufälligkeit geschlossen worden. In einer Urkunde vom 26.05.1857 bestätigte König Max II. von Bayern Eisingen erneut als Pfarrei, und mit königlicher Genehmigung konnte in den Jahren 1858/59 das Pfarrhaus in Eisingen gebaut werden. Im deutschen Bruderkrieg erlangte es geschichtliche Bedeutung. Die Preußen hatten das Hauptquartier ihrer Mainarmee unter General Manteuffel im Pfarrhaus Eisingen eingerichtet, und hier wurden die ersten Vorverhandlungen für einen Waffenstillstand geführt.

Die wenig einträgliche Landwirtschaft mag Grund dafür sein, dass es in Eisingen bereits 1896 "Berufspendler" gab. 30 Maurer, zwölf Zimmerleute und 20 Tüncher gingen damals schon nach Würzburg zur Arbeit. Zum langen Arbeitstag von in aller Regel zwölf Stunden kam noch der Fußweg zum Arbeitsplatz und zurück nach Eisingen.

Nach dem 2. Weltkrieg nahm das Dorf mehr und mehr eine Entwicklung zur Wohngemeinde. Die Bevölkerung wuchs sprungartig an. 1968 bis 1971 wurde das St. Josefs-Stift - ein Heim für körperlich und geistig Behinderte - errichtet.

Um den Ansprüchen einer Wohnbevölkerung gerecht zu werden, ging die Gemeinde Eisingen daran, Bildungs- und Freizeitanlagen neu zu errichten. Der St. Nikolaus-Verein als Träger des Kindergartens baute die in den Jahren 1926/28 errichtete "Kinderbewahranstalt" zu einem modernen Kindergarten mit Vorschuleinrichtung mit einer sehr schön gestalteten Spielanlage aus.

Wie schon erwähnt, stellen die Gemeinde Eisingen und die örtlichen Vereine ihren Alt- und Neubürgern ein vielfältiges Angebot für Freizeit und Hobby zur Verfügung. Weitere Baugebiete wurden ausgewiesen. Die in Eisingen ansässigen gewerblichen Betriebe besitzen einen Ruf weit über die Grenzen Unterfrankens hinaus. Besonders hervorzuheben ist, dass es sich hier durchwegs um umweltfreundliche Unternehmen handelt.

Die lange Geschichte unserer Gemeinde ist stets mitgestaltet von Bürgersinn und echter Bürgerverantwortung. Es ist zu wünschen, dass beides erhalten bleibt, damit unser Ort auch weiterhin seinem Ruf als beliebtes Wohngebiet gerecht wird.

 

Quelle: Ortschronik von Altbürgermeister und Ehrenbürger Erich Bender †