Leonard-Frank-Promenade in Würzburg am 31. Dezember 2021

Virtueller Neujahrsempfang 2022 der Stadt Würzburg

Gastredner ist BR-Programmdirektor Thomas Hinrichs

Der traditionelle Neujahrsempfang der Stadt Würzburg findet am Sonntag, dem 16. Januar 2022 aufgrund der Corona-Pandemie wieder ausschließlich als virtueller Live-Stream in Form einer Neujahrsansprache statt. Der Stream beginnt um 14 Uhr und wird live im Fernsehen auf TV Mainfranken ausgestrahlt. Gleichzeitig überträgt die Stadt Würzburg den Empfang über ihre Website www.wuerzburg.de.

Gastredner in diesem Jahr ist Thomas Hinrichs, Programmdirektor des Bayerischen Rundfunks. Hinrichs ist seit 1. Juli 2020 Programmdirektor des BR und trägt damit unter anderem die Gesamtverantwortung für Etat, Personal sowie Inhalt und Gestaltung der Sendungen aus dem Programmbereichen Aktuelles, Politik/Wirtschaft und Sport/Freizeit sowie verschiedene Hörfunkprogramme. Die Übertragung erfolgt auch in Gebärdensprache.

Oberbürgermeister Christian Schuchardt bedauert, dass der traditionelle Neujahrsempfang nun schon zum zweiten Mal virtuell stattfinden muss, lädt aber die Würzburger Bürgerinnen und Bürger herzlich dazu ein, die Möglichkeit des Live-Streams zu nutzen.

 

Quelle: Stadt Würzburg

 

Pressemitteilung der Stadt Würzburg vom 16. Januar 2022

OB Schuchardt: „Die Stadtgesellschaft ein Stück weit neu erfinden“

Aufgrund der anhaltenden Coronapandemie ist Würzburg auch beim diesjährigen Neujahrsempfang digitale Wege gegangen. Zum zweiten Mal fand der Neujahrsempfang rein virtuell als Stream auf TV Mainfranken und auf der Website der Stadt Würzburg statt.

„Am Ende des zweiten Pandemiejahres liegen bei den meisten von uns die Nerven blank“, stellte Oberbürgermeister Christian Schuchardt in seiner Rede fest: Die verbreitete Hoffnung, durch Impfen eine rasche Rückkehr zur Normalität erreichen zu können, hat sich nicht erfüllt – vor allem, aber nicht nur, weil sich bis jetzt zu wenige Menschen haben impfen lassen. „Das Virus droht zum Spaltpilz zu mutieren“, zieht Schuchardt Resümee, vor allem, weil die Pandemie und die Maßnahmen zu ihrer Eindämmung die Menschen sehr unterschiedlich betreffen und ihnen verschieden große Opfer auferlegen.

Während Überlastung den im Gesundheitswesen Tätigen wie auch jungen Eltern und Alleinerziehenden droht, hat es auch Menschen mit geringem Einkommen besonders hart getroffen. Für die betroffenen gibt es als Unterstützung eine Reihe städtischer Angebote unter anderem eine „Task-Force Pandemiefolgen-Prävention“ des Sozialreferates. Große Opfer haben aber auch in den vergangenen Monaten Handel- und Gewerbetreibende und selbständige Kulturschaffende erbracht, denen Einkünfte wegbrachen, während Ausgaben weiterliefen: „Es ist richtig und wichtig, dass der Staat und auch wir als Kommune sie nach besten Kräften unterstützen.“

Doch nicht nur die Pandemie selbst wirkt spaltend, sondern auch die unterschiedliche Einschätzung der Pandemie sowie der zur Eindämmung ergriffenen Maßnahmen. Jedoch gehöre auch die Kontroverse zur Richtungsfindung zum Diskurs: „Politische Minderheiten zu marginalisieren, ist kontraproduktiv. Man muss sie ernst nehmen, ihre Beweggründe zu verstehen suchen und berechtigte Anliegen aufgreifen. Wer andere moralisch diskreditiert, beraubt sich der Möglichkeit, sie mit Argumenten zu überzeugen. Und ein totaler Ausschluss missliebiger Ansichten ist per se mit einer demokratischen Streitkultur inkompatibel.“

Klar müsse aber auch sein: Wenn Hassbotschaften geäußert werden, wenn zu Gewalt aufgerufen werde oder sich gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit ausbreite, dann werden Grenzen überschritten, die nicht übertreten werden dürfen. Zumal den Worten oft Taten und sogar Attentate folgen. Diese „Diskursverwilderung“ „dürfen wir nicht achselzuckend hinnehmen“, so Schuchardt.

Eine zunehmende gesellschaftliche Polarisierung gefährde die Stabilität und Handlungsfähigkeit der Demokratie. „Den sozialen Zusammenhalt zu stärken, dafür zu werben und zu arbeiten, ist deshalb für Demokraten das Gebot der Stunde“, appelliert Schuchardt. Hinzu komme, dass der grassierende Glaube an absurde Verschwörungstheorien ein Indiz für eine bedenkliche Entfremdung erheblicher Teile der Bevölkerung von der institutionalisierten Politik ist. „Daraus folgere ich, dass es gegen die Ausbreitung von Verschwörungstheorien vor allem ein verantwortungsbewusstes, überzeugendes und effizientes Handeln der Politik im Umgang mit den aktuellen Herausforderungen braucht. Es geht darum, das gesunkene Vertrauen in die Politik wiederherzustellen.“

Sich gegen Corona impfen zu lassen, sei vernünftig und verantwortungsbewusst, denn es schütze mit Sicherheit zumindest vor einem schweren Verlauf und reduziere deutlich das Risiko, andere anzustecken. „Es ist ein Beitrag zum Wohlergehen der Gemeinschaft“, betont der Oberbürgermeister. Dass trotzdem viele nicht bereit seien, sich impfen zu lassen, sei ein alarmierendes Indiz dafür, dass im Verhältnis von Individuum und Gemeinschaft einiges aus dem Lot geraten ist: „Freiheit für alle und grenzenlose Freiheit des Einzelnen schließen sich aus“, so Schuchardt.

Dazu käme noch, dass Trends wie Individualisierung und Globalisierung dazu geführt haben, dass die Gesellschaft heute sehr viel bunter und differenzierter ist als früher. „Ich denke, wir müssen uns von der Vorstellung einer Gesellschaft verabschieden, in der Homogenität und die Anpassung an eine bestimmte vorherrschende Lebensweise das Ideal ist“, so der Oberbürgermeister. Die Konsequenz: „Wir müssen unsere Stadtgesellschaft ein Stück weit neu erfinden“, sagt Schuchardt. Und dies kann seiner Meinung nach nur auf Grundlage positiver Werte wie der Achtung der Menschenwürde und der Verwirklichung der Menschenrechte sein. „Für mich sind unter anderem die christlichen Werte, die ja auch von Nichtchristen geteilt werden, die beste Grundlage nicht nur für ein gelingendes Leben, sondern eben auch für eine Gesellschaft mit menschlichem Gesicht, die solidarisch zusammensteht“, erklärt Schuchardt.

Ein weiterer Schwerpunkt seiner Rede waren die Geschehnisse in der Stadt Würzburg im vergangenen Jahr. Dazu gehört das laufende Schulinvestitionsprogramm, in das rund 300 Millionen Euro investiert werden. Laufende Maßnahmen sind die Erweiterung des Wirsberg-Gymnasiums und der Mönchbergschule sowie die voranschreitende Digitalisierung der Schulen. Wichtige Baumaßnahmen sind außerdem das Mainfranken Theater, das bereits ein neues, einladendes Gesicht hat, sowie die Siligmüllerbrücke.

Parallel wurde das Klimaschutzkonzept, nach dem die Stadt Würzburg bis 2045 klimaneutral sein wird, überarbeitet. Und mit Hilfe des Smart-City-Konzeptes sollen die Lebensqualität wie auch die Partizipationsmöglichkeiten der Bürgerschaft weiter gesteigert werden.

Gastredner beim digitalen Neujahrsempfang ist mit BR-Informationsdirektor Thomas Hinrichs in diesem Jahr ein Vertreter der Medien. Er beschreibt die aktuellen Herausforderungen, die zum Teil durch Corona noch verstärkt würden, und erklärt, mit welcher Philosophie sich der Bayerische Rundfunk den Erwartungen der Nutzerinnen und Nutzer stellt. Hierbei nannte er drei zentrale Punkte. Gerade der Öffentliche Rundfunk müsse in der Flut von Informationen auf Qualität setzen und Hilfestellungen bei der Unterscheidung zwischen hart erarbeiteten Inhalten und geschickt verpackten Fake News leisten: Quellen benennen, zweite Meinungen einholen, wissenschaftlich einordnen.

Als zweiten wichtigen Auftrag begreift man die Verpflichtung der jeweiligen Region gegenüber. Die Auswirkungen des Klimawandels müsse man beispielsweise in Mainfranken an den Wurzeln der Weinstöcke festmachen, die immer weniger Wasser finden, weil der Main kaum noch künstliche Bewässerung zulasse. Über 50 Korrespondentinnen und Korrespondenten an 30 Standorten ermöglichen dieses Eintauchen in die jeweilige Lebenswelt und eine besondere Identifikation auch bei komplexen und globalen Fragestellungen.

Drittens begreift sich der BR von jeher als starker Partner der Kulturinstitutionen. So gibt Hinrichs auch gleich einen Ausblick auf zwei Highlights in 2022, die man intensiv begleiten möchte: Den Spatenstich für das Museum für Franken im Frühjahr und den 20. Geburtstag des Würzburger Kulturspeichers am 22. Februar.

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