Die Besuchergruppe aus Nordrhein-Westfalen vor dem Schaubrunnen der Fernwasserversorgung Franken in Sulzfeld-Marktsteft.

Wasserschutzberater aus NRW auf „Wasserschutzbrot-Exkursion“

Die Regierung von Unterfranken hat im Rahmen der „Aktion Grundwasserschutz – Trinkwasser für Unterfranken“ vor knapp 10 Jahren das Projekt Wasserschutzbrot initiiert. Es ist ein Modellprojekt für eine erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft, regionaler Verarbeitung und dem Lebensmittelhandwerk.

Bildinfo: Die Besuchergruppe aus Nordrhein-Westfalen vor dem Schaubrunnen der Fernwasserversorgung Franken in Sulzfeld-Marktsteft. Foto: Katharina Schwab.

Das Projekt ist mittlerweile weit über Bayern hinaus bekannt und genießt große Anerkennung. Über dreißig Wasserschutzberater aus Nordrhein-Westfalen haben sich am 26. Juni 2024 im Rahmen einer Fachexkursion die Wertschöpfungskette Wasserschutzweizen vor Ort angesehen und begeistert mit den Praxispartnern der Initiative diskutiert.

Los ging es im Wasserwerk der Fernwasserversorgung Franken in Sulzfeld-Marktsteft mit wertvollen Diskussionen und interessanten Einblicken in das Wasserwerk und den FWF- Schaubrunnen durch den neuen Werkleiter Jan Kunau und seine Fachleute. Am Weizenacker des langjährigen Projektpartners und Nebenerwerbslandwirts Wolfgang Seitz in Marktbreit wurden wichtige Fachfragen rund um den Anbau diskutiert. Seinen Weizen liefert er in die Gründleinsmühle nach Scheinfeld. Der Müllermeister Jürgen Englert sorgt für die Qualitätssicherung und vermalt das Getreide für die Bäcker. Dieses hat trotz niedrigerer Protein- bzw. Klebergehalte hervorragende Backeigenschaften. „Entscheidend ist dabei, dass die richtigen Weizensorten verwendet werden“, so Englert. Das regionale, ressourcen- und klimaschonend erzeugte Endprodukt konnten die Besucher am Ende des Exkursionstages in der Bäckerei Kohler in Volkach genießen. Für die Bäckermeisterin Nadine Kohler, die mit Überzeugung von Anfang an bei der Initiative dabei ist, ist das Backen mit Wasserschutz-Weizen kein Hexenwerk. „Natürlich muss es meinen Kunden aber auch schmecken“, so Kohler.

Und das tut es. Der Exkursionsleiter Josef Schmitz von der nordrhein-westfälischen Landwirtschaftskammer und seine Gruppe waren auf jeden Fall restlos überzeugt. Er bedankte sich zum Schluss bei Projektleiter Christian Guschker und Jens Habenstein von der Regierung von Unterfranken und Katharina Schwab vom Büro FiBL für die äußerst gewinnbringende Fachexkursion und hat schon mal zu einem Gegenbesuch eingeladen – vielleicht dann mit nordrhein-westfälischem Wasserschutzbrot.

Das Prinzip des Wasserschutzbrotes funktioniert so:

Konventionelle Landwirte verzichten beim Anbau von Qualitätsweizen in wassersensiblen Gebieten, zum Beispiel Einzugsgebiete der öffentlichen Trinkwasserversorgung, auf die Stickstoff-Spätdüngung. Hierdurch verringert sich die Gefahr der Nitratauswaschung ins Grundwasser. Mühlen aus der nahen Umgebung vermahlen den Wasserschutzweizen zu Wasserschutzmehl. Familiengeführte, handwerkliche Bäckereien backen daraus Wasserschutzbrot und weitere Backwaren.

Mittlerweile hat sich das Wasserschutzbrot zu einer Erfolgsgeschichte entwickelt. 2023 wurden auf 450 Hektar in vier bayerischen Regierungsbezirken rund 2.700 Tonnen Winterweizen ohne Qualitätsdüngung erzeugt und an die neun beteiligten Mühlen geliefert. Das daraus gebackene Wasserschutzbrot und -gebäck fand in 44 Bäckereien mit über 150 Verkaufsstellen sehr guten Absatz.

Viele Projekte zum Schutz unseres Grundwassers sind für den Endverbraucher nur schwer greifbar. Anders ist das beim Wasserschutzbrot. Denn durch die bewusste Kaufentscheidung in einer Wasserschutzbäckerei trägt der Kunde direkt zum Grund- und Trinkwasserschutz bei, schützt das Klima und erhält gleichzeitig ein regionales Produkt, dessen Herkunft transparent bis zum Acker dargestellt werden kann.

Umfangreiche Bodenuntersuchungen zeigen, dass beim Anbau von Wasserschutzweizen je nach Witterung und Nachfrucht gegenüber konventionell angebautem Weizen 25 bis 50 Prozent weniger, nicht von der Pflanze aufgenommener Reststickstoff im Boden zurückbleibt.

Hintergrundinformation:

Die AKTION GRUNDWASSERSCHUTZ wurde von der Regierung von Unterfranken 2001 ins Leben gerufen: Trotz der schwierigen naturgegebenen Randbedingungen wird in Unterfranken das Trinkwasser – wie auch in den übrigen Regionen Bayerns – fast ausschließlich aus dem Grundwasser gewonnen. Aufgrund relativ geringer Niederschläge werden die Grundwasserspeicher jedoch weniger schnell aufgefüllt als anderswo, Schadstoffe werden weniger stark verdünnt. In dem meist klüftigen Untergrund Unterfrankens kann Grundwasser nur schlecht gespeichert werden. Geringe Bodenauflagen führen dazu, dass das Niederschlagswasser nur wenig gefiltert wird. Das Grundwasser, die „Quelle“ unseres Trinkwassers, muss daher in Unterfranken besonders gut geschützt werden. Die AKTION GRUNDWASSERSCHUTZ zielt darauf ab, die Bürgerinnen und Bürger für dieses wichtige Thema zu sensibilisieren, Eigenverantwortung zu wecken, Wege für eine grundwasserverträgliche Landbewirtschaftung zu entwickeln und Partner zusammenzubringen – für den Grundwasserschutz und eine nachhaltige Regionalentwicklung Unterfrankens.

Logo Wasserschutzbrot - regional und wasserschonend
Quelle: Regierung von Unterfranken

Weitere Informationen über Aktivitäten der Regierung von Unterfranken im Rahmen ihrer
AKTION GRUNDWASSERSCHUTZ – Trinkwasser für Unterfranken können im Internet unter
www.aktiongrundwasserschutz.de abgerufen werden.

Quelle: Regierung von Unterfranken – PM vom 03.07.2024