Barockes Hafenareal an der Mainkaipromenade in Würzburg am 15. Dezember 2021
Barockes Hafenareal an der Mainkaipromenade in Würzburg am 15. Dezember 2021

Barockes Hafenareal in Würzburg

Gartenamt entdeckt an der Mainkaipromenade Teile eines barocken Hafenareals

Am südlichen Ende der Mainkaipromenade in Würzburg liegt ein nur wenig einsehbarer Ort: das Maingärtchen. Auf der Promenaden- und der Straßenseite ist es von hohen Natursteinmauern umgeben. Im Süden schließt sich das Grundstück des Wasserkraftwerks an der alten Mainbrücke an. Von außen sichtbar ist lediglich ein kleiner Eckpavillon. Dessen Abschlussgesims ist aufwändig und filigran aus den verwendeten Muschelkalkblöcken herausgearbeitet.

Die Ecken des Pavillons sind allseitig abgerundet und gegenüber den seitlichen Wandflächen leicht vertieft. Diese Details legten den Verdacht nahe, dass es sich ursprünglich um ein freistehendes Bauwerk handelte. Der Zweck des Gebäudes und das Alter waren aber nicht einzuordnen, weshalb der Pavillon über viele Jahrzehnte als Gartenpavillon bezeichnet wurde.

An diesem besonderen Ort begann das Gartenamt im Frühjahr 2021 mit den Bauarbeiten für die Anlage eines kleinen Gärtchens mit einem großen neuen Baum, üppigen Staudenflächen und Sitzmöglichkeiten. Bei den Erdarbeiten zur Herstellung der geplanten Baumgrube stießen Mitarbeiter des Gartenamtes auf einen massiven Mauerwerkskörper aus Natursteinblöcken. Äußerste Vorsicht war geboten. Schicht um Schicht wurden die seitlichen Verfüllungen abgetragen, bis eine Lage aus zerkleinertem Buntsandsteinbruch sichtbar wurde. Dieser fällt bei der Bearbeitung von Naturstein an. Unter dieser dünnen, rötlichen Schicht trat schließlich eine geneigte Pflasterfläche zu Tage. Zu diesem Zeitpunkt wurde Gartenamtsleiter Dr. Helge Bert Grob klar, auf welches historische Juwel seine Mitarbeiter gestoßen waren: die sehr gut erhaltenen Reste einer Slipanlage (Bootsrampe). Daraufhin wurde die gesamte Anlage behutsam durch das Gartenamt freigelegt. Die archäologische Begleitung erfolgte durch das Büro für Ausgrabungen und Dokumentationen Heyse.

Auf der Südseite begrenzt der erwähnte massive Mauerwerkskörper die Bootsrampe. Er ist mindestens 10,50 m lang und ca. 3 m breit. Die seitlichen Mauerschalen bestehen aus sorgfältig bearbeiteten Kalksteinquadern. Einzelne Blöcke sind über einen Meter lang und bis zu 57 cm hoch. Um ein Verrutschen zu verhindern, ist eine Vielzahl an Steinen mit Eisenklammern verbunden. Die Fixierung der Klammern erfolgte mit Bleiplomben.

 

Dr. Grob: „Diese uralte Technik wurde vor über 2.500 Jahren entwickelt. Sie ist vor allem bei Palästen, Festungen und Wasserbauwerken weit verbreitet. So finden sich auch an der Alten Mainbrücke in Würzburg zahlreiche Eisenklammern.“

 

Die nördliche Begrenzung der Bootsrampe ist nahezu identisch beschaffen. Auf ihr steht der zu Beginn erwähnte Pavillon. Zwischen diesen seitlichen Fassungen aus Kalksteinblöcken liegt die eigentliche Bootsrampe aus Kalksteinpflaster. Sie ist etwa 7,5 m breit und in weiten Teilen hervorragend erhalten. Mit über 20 % ist die Neigung der Fläche beträchtlich. Dessen ungeachtet wurde die Bootsrampe offensichtlich intensiv genutzt. Darauf lassen die glatten Oberflächen der verwendeten Pflastersteine schließen. Zum Vertäuen der Boote dienten die in die Seitenwände eingelassenen beweglichen Eisenringe.

Vor diesem Hintergrund muss das ursprünglich als Gartenpavillon gedeutete kleine Bauwerk neu bewertet werden. Sehr wahrscheinlich handelt es sich eher um einen Aufsichtspavillon, von dem aus die Be- und Entladevorgänge auf der Rampe überwacht wurden. Die sorgfältige Ausführung und die exquisiten Details lassen auf ein von der Obrigkeit beauftragtes Bauwerk schließen.

Das Ende der Nutzung der Bootsrampe kam spätesten Anfang des 20. Jahrhunderts mit dem Bau eines Überlaufkanales aus Klinkern in die geneigte Fläche. In diesem Zusammenhang wurden der Bereich zwischen den seitlichen Begrenzungsmauern verfüllt und die Öffnung zum Main hin verschlossen. Daraufhin setzte für die Bootsrampe ein über hundertjähriger Dornröschenschlaf ein.

 

Denkmalensemble: Gartenamt passt Planungen an

Aufgrund seiner abgerundeten Ecken lässt sich der Aufsichtspavillon und damit die Bootsrampe sicher in die erste Hälfte des 18. Jahrhunderts datieren. Hier wurde ein für den fränkischen Barock charakteristisches Architekturmotiv herrschaftlicher Monumentalbauten auf einen Zweckbau übertragen. Folglich entstand die Bootsrampe zeitgleich mit der Welterbestätte Würzburger Residenz und noch vor dem Alten Kranen. Vor diesem Hintergrund läuft momentan die Unterschutzstellung dieses barocken Schmuckstücks als Baudenkmal durch das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege.

 

Dr. Grob: „Zweifelsohne bildet es zusammen mit dem Alten Kranen, der Hafenmauer, der alten Floßgasse sowie den Resten des Umlaufkanales und des Streichwehres ein Denkmalensemble von nationaler Bedeutung.“

 

Daher hat das Gartenamt seine Planung an die neuen Gegebenheiten angepasst. Bürgermeister Martin Heilig: „Die Vorstellung erfolgt am 20. Oktober 2021 im Planungs-, Umwelt- und Mobilitätsausschuss des Stadtrates. Unser Ziel ist, das historische Bauwerk in seiner Bedeutung zu würdigen, ohne die gestalterische und ökologische Aufwertung der stark frequentierten Promenade am Alten Kranen zu vernachlässigen.“

 

Quelle: Stadt Würzburg – PM vom 19.10.2021

 

 

Gartenamt startet mit Aufwertung der Mainkaipromenade

 

Auftakt zur Spendenkampagne zugunsten der Instandsetzung des barocken Hafenareales

Vor rund zwei Wochen stimmten die Mitglieder des Planungs-, Umwelt- und Mobilitätsausschusses des Stadtrates (PUMA) den Plänen des Gartenamtes zur Aufwertung der Mainkaipromenade und zur Instandsetzung des barocken Hafenareales einstimmig zu. Nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges und der Nachkriegszeit bietet sich mit dem freigelegten Hafenareal die einmalige Chance, einen bisher unbekannten barocken Schatz für die nächsten Generationen zu sichern und behutsam in Szene zu setzen.

 

Gartenamtsleiter Dr. Helge Grob: „Die freigelegte Bootsrampe ist schon an sich bemerkenswert. Die besondere Bedeutung des Ensembles erwächst jedoch aus der Kombination eines Funktionsbauwerkes – der Bootsrampe – mit einem auf Repräsentation ausgelegten exquisiten Aufsichtspavillon.“

 

Nun hat das Gartenamt bereits mit den Bauarbeiten begonnen. In einem ersten Schritt wird der nördliche Teil der Mainkaipromenade überarbeitet. Bürgermeister Martin Heilig: „Uns ist es ein großes Anliegen, die Arbeiten in diesem Bereich noch über den Winter abzuschließen, um die Beeinträchtigungen während der Schönwetterphasen im Frühjahr und Sommer so gering wie möglich zu halten.“ Bei der Aufwertung der Mainkaipromenade arbeiten die Maurer- und die Azubikolonne des Gartenamtes Hand in Hand. Momentan brechen Mitarbeiter des Gartenamtes die unmittelbar an die Hafenmauer angrenzenden schmalen Betontröge ab. Im Anschluss werden die das Areal strukturierenden Bänder aus Mosaikpflaster in Stand gesetzt. Diese sind stellenweise beschädigt oder abgesackt. Schließlich wird der vielfach geflickte und in die Jahre gekommene Asphaltbelag erneuert. Die seinerzeit sehr hochwertige und attraktive Mainkaipromenade entstand vor rund 50 Jahren.

Bei allen Schritten arbeiten die Maurer- und die Azubikolonne des Gartenamtes Hand in Hand. Der Einbau des neuen Gussasphalts erfolgt durch die Profis des städtischen Bauhofes. Dieser muss bis spätestens Mitte Dezember abgeschlossen sein. Zu diesem Zeitpunkt schließen die Asphaltwerke witterungsbedingt für rund drei Monate.

 

Herausforderung Grünfläche

Eine besondere Herausforderung ist für Gartenamtsleiter Dr. Helge Bert Grob die angrenzende Grünfläche. Sie ist seit Jahren stark verunkrautet, stellenweise niedergetreten und zu einer großen Freilufttoilette verkommen. „Mit der Aufwertung der Promenade und dem Abbrechen der an die Hafenmauer angrenzenden Betontröge versuchen wir, dies etwas zu reduzieren“, so Dr. Grob. Durch den Wegfall der Betontröge lädt zukünftig die gesamte Hafenmauer zum Verweilen ein. In der Grünanlage selbst sieht der Gartenamtsleiter vier neue Bäume vor. Zudem wird ein größerer Abschnitt versuchsweise mit neuen Stauden üppig bepflanzt. „Wenn diese Neuanpflanzung den Nutzungen standhält, werden wir Schritt für Schritt die gesamte Pflanzung erneuern“, erläutert Dr. Grob.

 

Für die Instandsetzung des barocken Hafenareales ist das Gartenamt auf Spenden angewiesen

Danach ist die Instandsetzung des kürzlich freigelegten barocken Hafenareales geplant. Die Leitlinien des Gartenamtes für die Instandsetzung des barocken Hafenareales lassen sich mit Freilegen, Sichern und behutsam Ergänzen zusammenfassen. Freigelegt wird der sehr qualitätvolle barocke Aufsichtspavillon. Dadurch entsteht vor dem Bauwerk ein großzügiger Platz mit einem grandiosen Blick auf die Festung, das Käppele und die Alte Mainbrücke. Gesichert wird die barocke Bausubstanz, wie die Natursteinblöcke und -beläge sowie die Metallklammern und Befestigungsringe. Hierbei ist es für den Gartenamtsleiter ein großes Anliegen die Narben der Zeit zu erhalten. „Steine müssen Geschichten erzählen können“, so Dr. Grob. Schließlich sollen fehlende Steine behutsam ergänzt werden.

In einem ersten Schritt ist die Verlegung von drei Leitungen, die momentan noch das Areal queren, wie auch das Versetzen eines Schachtes vorgesehen. Hierfür laufen momentan die Vorabstimmungen. Alle weiteren Arbeiten sind vom Eingang der Spenden und Zuwendungen abhängig. Hierbei greift das Gartenamt auf einen erfahrenen Spezialisten für Denkmalpflege zurück, der ein feines Gespür für die barocke Bausubstanz besitzt.

Für die Instandsetzung des Überraschungsfundes barockes Hafenareal ist das Gartenamt auf Spenden von Vereinen, Stiftungen und aus der Bürgerschaft angewiesen. Die im aktuellen Haushalt eingestellten Mittel in Höhe von 66.000 Euro reichen lediglich für die vorbereitenden Arbeiten, wie die Verlegung von drei Leitungen und eines Schachtes sowie die Sicherung des freigelegten Überlaufkanales. Insgesamt fehlen dem Gartenamt 174.000 Euro. „Hierbei bauen wir auf die lange Tradition bürgerschaftlichen Engagements in Würzburg“, so Bürgermeister Martin Heilig. „Ich denke beispielhaft an die Anlage der Parkwälder, die Instandsetzung des Kiliansbrunnens am Hauptbahnhof oder die jüngsten Baumspenden.“ Bisher sind 5.900 Euro der Herrengesellschaft Colonne 10416 eingegangen. Zahlreiche weitere Spenden wurden zugesagt.

Zwischenzeitlich ist das barocke Hafenareal vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege als Baudenkmal unter Schutz gestellt worden. Damit sind Spenden von der Steuer absetzbar. Bei Beträgen von unter 300 Euro ist der Einzahlungsbeleg als Nachweis ausreichend. Ab einer Spendenhöhe von 300 Euro ist eine Spendenquittung notwendig, die von der Stadtkasse automatisch ausgestellt wird. Voraussetzung hierfür ist, dass neben dem Namen auch die Anschrift der Spenderin bzw. des Spenders beim Verwendungszweck der Überweisung angegeben werden. Spenden können auf folgendem Konto der Stadt Würzburg bei der Sparkasse Mainfranken Würzburg eingezahlt werden: IBAN DE92 7905 0000 0042 0000 67, BIC BYLADEM1SWU. Als Verwendungszweck ist unbedingt anzugeben: Hhst. 1.5800.3682, Spende Instandsetzung Baudenkmal barockes Hafenareal. Für Auskünfte steht das Gartenamt jederzeit gerne zur Verfügung: Stadt Würzburg, Gartenamt, Robert-Bunsen-Straße 10, 97076 Würzburg, Telefon 0931 37 4911, E-Mail gartenamt(Arts Fotos - Photography by Artur Schmitt)stadt.wuerzburg.de.

 

Gartenamtsleiter Dr. Grob: „Jeder Euro zählt und hilft uns, dieses einmalige barocke Ensemble zu sichern und behutsam in Szene zu setzten. Daher ist es für mich ein großes Herzenzanliegen, jede Spende mit einem Dankesschreiben und einer Urkunde zu würdigen. Lassen Sie uns hierfür bitte Ihre Anschrift oder E-Mail-Adresse zukommen. Ab einer Spendenhöhe von 1.000 Euro besteht darüber hinaus die Möglichkeit, auf der vor Ort geplanten Informationstafel gewürdigt zu werden“.

 

Quelle: Stadt Würzburg – PM vom 02.11.2021

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