Finsternisse haben das Potential, auch Menschen zu faszinieren, die sich ansonsten nicht oder nur selten für astronomische Ereignisse interessieren. Besonders die totale Sonnenfinsternis (Sofi) zieht uns in ihren Bann. Jeder sollte sie wenigstens einmal erlebt haben. In Mitteleuropa und damit auch bei uns in Deutschland sind solche Finsternisse allerdings selten zu sehen.

 

Totale Sonnenfinsternis 1999 in Deutschland

 

Am 11. August 1999 konnten wir auf der Raststätte A7 Ellwanger Berge West in Baden-Württemberg trotz regnerischem Wetter in der Zeit von 11:14 Uhr bis 13:58 Uhr letztmals in Deutschland eine totale Sofi live beobachten. Die maximale Verdunkelung fand um 12:35 Uhr statt. Dauer der totalen Phase an unserem Beobachtungsort: 1 Minute, 26 Sekunden. Dauer im Bereich des Kernschattens: 2 Minuten, 17 Sekunden. Die Finsternis gehört zum Saros-Zyklus 145. Ihre unmittelbare Nachfolgerin im gleichen Zyklus war die Sofi am 21. August 2017 in den USA. Die nächste totale Sofi, bei der der Kernschatten über Deutschland, Österreich und die Schweiz hinwegzieht, wird erst am 3. September 2081 stattfinden. In der Zwischenzeit stellen wir Ihnen die Finsternisse vor, die wir in den nächsten Jahren in Deutschland erwarten dürfen.

 

Augen und Geräte schützen

 

Eines gleich vorweg, mit Sonnenfinsternissen schaut es in Deutschland in den kommenden Jahren weiterhin mau aus. Die nächste Sonnenfinsternis findet erst am 10. Juni 2021 statt. Sie ist außerdem nur als relativ unscheinbare partielle Finsternis zu sehen. Ihr folgen zwei weitere, wenig spektakuläre partielle Sonnenfinsternisse am 25. Oktober 2022 und am 29. März 2025. Ein richtiger Hingucker wird dann aber die partielle Sonnenfinsternis am 12. August 2026, die z.B. in Teilen Grönlands, Islands und Spaniens als totale Sonnenfinsternis (Saros-Zyklus 126) beobachtet werden kann.

 

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Saros und Saros-Zyklus
Finsternisse wiederholen sich alle 18 Jahre und 11,3 Tage, bzw. nach 223 Vollmonden oder Neumonden im Falle von Sonnenfinsternissen. Diese Zeitperiode wird Saros genannt. Nach einem Saros stellt sich ungefähr die selbe Geometrie zwischen Sonne, Mond und der Erde ein – eine fast identische Finsternis findet statt. Dazwischen gibt es aber rund 40 weitere Finsternisse. Da es bei jedem Saros zu einer Verschiebung der Distanz von Opposition und Knotendurchgang von rund 0,5° kommt, finden Finsternisse nur während eines sogenannten Saros-Zyklus statt. Die erste Finsternis eines Zyklus beginnt mit einer Halbschattenfinsternis, entweder in der Nord- oder Südpolregion der Erde. Von Saros zu Saros driftet der Mond jeweils näher an den Kernschatten der Erde heran, bis er diesen trifft und damit zuerst partielle und später totale Mondfinsternisse statt finden. Der Ablauf schreitet fort, bis der Mond den Halbschatten der Erde ein letztes Mal berührt. Im Schnitt dauert ein solcher Saros-Zyklus rund 1.300 Jahre und umfasst 69 bis 87 Eklipsen.

 

Rückblick auf weitere Ereignisse, die wir erfolgreich beobachten konnten

Partielle Mondfinsternis am 16./17. Juli 2019

Der totalen Mondfinsternis am 21. Januar 2019 folgte im gleichen Jahr eine partielle Mondfinsternis und zwar vom 16. auf den 17. Juli. Die Halbschattenfinsternis begann am Dienstag, dem 16. Juli 2019 um 20:43 Uhr und die maximale Verdunkelung um 23:30 Uhr. Die Halbschattenfinsternis endete am Mittwoch, dem 17. Juli 2019 um 02:17 Uhr.

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Totale Mondfinsternis am 21. Januar 2019

Bereits am Montag, dem 21. Januar 2019 durften wir uns auf die nächste totale Mondfinsternis freuen. Sie war eher etwas für Spätheimkehrer oder für Frühaufsteher. Die Halbschattenfinsternis begann nämlich um 03:36 Uhr.

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Eine besondere Finsternis: Totale Mondfinsternis 2018

In der Nacht vom Freitag, 27. Juli auf Samstag, 28. Juli fand eine totale Mondfinsternis statt. Es war die einzige Finsternis des Jahres, die zumindest teilweise von Mitteleuropa aus beobachtet werden konnte. Der kleinste Vollmond des Jahres ging bereits verfinstert auf. Der erste Teil der Finsternis blieb daher bei uns nicht sichtbar. Es war dies die längste totale Mondfinsternis des 21. Jahrhunderts. Am 27. Juli stand Mars unterhalb des Mondes in Opposition zur Sonne. Er war der Erde so nahe, wie seit 15 Jahren nicht mehr.

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Merkurtransit am 9. Mai 2016 um 13:47 Uhr
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Merkurtransit 2016

Als Merkurtransit bzw. Merkurdurchgang oder Merkurpassage bezeichnet man den Durchgang des Planeten Merkur vor der Sonne. Dabei wandert Merkur als winziger schwarzer Punkt innerhalb mehrerer Stunden über die Sonnenscheibe. Insgesamt kommt es 13 oder 14-mal pro Jahrhundert zu einem Merkurdurchgang. Wegen der geringen scheinbaren Größe des Planeten ist ein Merkurtransit mit dem bloßen Auge nicht zu sehen.

Die letzten Merkurtransite fanden am 08.11.2006 und am 09.05.2016 statt. Der Transit am 08.11.2006 konnte aber bei uns nicht beobachtet werden, da er erst weit nach Sonnenuntergang in die Nacht hinein begann.

 

 

Venustransit am 8. Juni 2004 um 09:08 Uhr
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Venustransit 2004

Als Venustransit bzw. Venusdurchgang oder Venuspassage bezeichnet man den Durchgang des Planeten Venus vor der Sonnenscheibe. Die im Fernrohr eindrucksvolle, manchmal auch mit dem geschützten bloßen Auge sichtbare Erscheinung ist äußerst selten und tritt pro Jahrhundert höchstens zweimal ein, weil die Venus- und Erdbahn gegeneinander um einige Grad geneigt sind.

Die letzten Venusdurchgänge waren am 09.12.1874, am 06.12.1882, und am 08.06.2004. Der letzte für uns beobachtbare Tansit fand am 06.06.2012 statt. Leider konnten wir ihn aufgrund schlechten Wetters nicht sehen. Künftige Generationen werden das Schauspiel erst wieder am 11.12.2117 und dann acht Jahre später, am 08.12.2125 erleben dürfen.