Alexander Gerst ist zurück auf der Erde

Hyaden, Plejaden und Strichspur der ISS am 13. Februar 2017 um 18:21 Uhr

Horizons-Mission endet nach 197 Tagen im All

Alexander Gerst ist nach 197 Tagen im All und 195 an Bord der Internationalen Raumstation ISS in den Morgenstunden des 20. Dezember 2018 gesund zur Erde zurückgekehrt: Die Sojus MS-09 landete planmäßig um 06:02 Uhr Mitteleuropäischer Zeit (MEZ) nahe Karaganda in der Steppe Kasachstans. Um 02:40 Uhr MEZ hatte das Raumschiff mit dem deutschen ESA-Astronauten sowie der NASA-Astronautin Serena Aunon-Chancellor und dem russischen Kosmonauten Sergey Prokopjev die Raumstation verlassen, knapp dreieinhalb Stunden später hatte die Crew der ISS-Expedition 57 wieder festen Boden unter den Füßen.

„Wir freuen uns sehr, dass Alexander Gerst gesund zur Erde zurückgekehrt ist und seine Mission horizons so erfolgreich verlaufen ist. Wir freuen uns auch, als DLR einen wichtigen Teil der Mission vorbereitet und in den letzten sechs Monaten hautnah mit umgesetzt zu haben – 40 der 65 europäischen Experimente stammen aus Deutschland und mit dem Columbus-Kontrollzentrum beim DLR in Oberpfaffenhofen und dem raumfahrtmedizinischen Zentrum :envihab an unserem Standort in Köln sind wir Teil des Mission-Teams am Boden und haben Alexander Gerst nach Kräften unterstützt“, sagt Prof. Pascale Ehrenfreund, Vorstandsvorsitzende des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR).

 

Erfolgreiche Forschung im All

Nach „Blue Dot“ 2014 war Alexander Gerst am 6. Juni 2018 vom russischen Weltraumbahnhof in Baikonur (Kasachstan) zu seiner zweiten Reise ins All aufgebrochen. Gerst hat dabei an rund 200 Experimenten gearbeitet (Blue Dot: etwa 160), davon 65 ESA-Experimente, von denen wiederum 41 aus Deutschland oder mit deutscher Beteiligung liefen. „Es war eine sehr intensive, aber auch sehr erfolgreiche Mission“, zieht Volker Schmid, horizons-Missionsleiter im DLR, eine erste Bilanz: „Alexander konnte alle geplanten Experimente und Arbeiten seiner Mission erledigen, nur der Start des Photobioreaktors hat sich auf März 2019 verschoben. Zudem waren einige Premieren dabei wie der erste Einsatz von CIMON in Schwerelosigkeit, des in Deutschland gebauten und entwickelten robotischen Assistenzsystems, das mit künstlicher Intelligenz ausgestattet ist, und der Einsatz des Fluoreszenzmikroskops FLUMIAS, das erstmals live die Biochemie in Zellkulturen im All sichtbar machte“.

 

Erster deutscher Kommandant auf der ISS

Darüber hinaus ist Gerst am 3. Oktober 2018 der erste deutsche und zweite europäische Kommandant auf der ISS geworden und hatte nach dem Sojus-Startabbruch am 11. Oktober 2018 die besondere Aufgabe, mit einer verkleinerten Crew an Bord (drei statt sechs Astronauten) zwei Monate lang – bis zur Ankunft der aktuellen ISS-Crew (Expedition 58) am 3. Dezember 2018 – alle Aufgaben zu bewältigen. Wie schon 2014 versorgte Alexander Gerst die Menschen auf der Erde regelmäßig mit teils wunderschönen, teils erschreckenden Bildern der Erde aus 400 Kilometern Höhe, die uns einmal mehr zeigen, wie einzigartig, aber auch verletzlich unser „Raumschiff“ ist und dass Klimawandel und Raubbau an Natur und Umwelt bereits tiefe Spuren hinterlassen haben. Mit insgesamt zwölf so genannten ARISS-Calls mit Schulen und einem Dutzend „Live-Calls“ für Medien, Politik und interessierte Öffentlichkeit in Deutschland war es Gerst auch vor diesem Hintergrund ein starkes Anliegen, insbesondere Kinder und Jugendliche für die Raumfahrt und wissenschaftlich-technische Fragen zu interessieren und uns allen bewusst zu machen, dass unsere Zukunft auf dem blauen Planeten in unseren eigenen Händen liegt.

 

Ankommen im :envihab in Köln

Nach seiner Landung am 20. Dezember 2018 zieht es Alexander Gerst schnellstmöglich in die Heimat: Ein Spezialflugzeug der NASA bringt ihn mit Zwischenstopp in Norwegen zum Köln-Bonner Flughafen. Nach seiner Landung dort gegen 20:45 Uhr geht es für den 42-Jährigen auf direktem Wege ins raumfahrtmedizinische Forschungszentrum :envihab beim DLR in Köln, wo er die nächsten Tage gemeinsam von DLR und Europäischem Astronautenzentrum (EAC) betreut wird. „Das :envihab bietet ideale Bedingungen, um sich von den körperlichen Strapazen eines langen Weltraumaufenthalts zu erholen. Hier werden die Astronauten von einem eingespielten, hochspezialisierten Team betreut, das über die notwendigen Labore und modernste medizinische Anlagen verfügt“, betont Prof. Jens Jordan, Leiter des DLR-Instituts für Luft- und Raumfahrtmedizin. Bereits vier europäische Astronauten haben sich hier in den ersten Wochen nach ihrem Allaufenthalt unter der Aufsicht von Raumfahrtmedizinern wieder an die Bedingungen auf der Erde angepasst, so auch Alexander Gerst nach seinem ersten Flug 2014.

Das Ärzte- und Wissenschaftler-Team wird Gerst – mit Ausnahme der Weihnachtsfeiertage, so es sein Zustand zulässt – die kommenden zwei Wochen rund um die Uhr betreuen und Untersuchungen im Auftrag der ESA, NASA und anderen Weltraumagenturen durchführen. Unter anderem prüfen die Wissenschaftler anhand von Blut- und Speichelproben, wie sich sein Immunsystem durch den Aufenthalt im All verändert hat. Um die Auswirkungen auf die Muskelfunktionstätigkeit zu untersuchen, werden außerdem Tonus, Elastizität und Steifigkeit der Muskeln gemessen. Viele medizinische Tests wie zum Beispiel MRT-Messungen, EKG, Fitness-Tests und Augenuntersuchungen wurden bereits vor und während der Mission durchgeführt. Mit exakt den gleichen Messgeräten wie im All werden sie nun auf der Erde fortgesetzt und liefern den Forschern Daten, mit denen sie die Veränderungen durch den ISS-Aufenthalt erfassen können.

 

Betreuung aus dem Deutschen Raumfahrtkontrollzentrum

Über 3000-mal umrundete Alexander Gerst die Erde während seiner horizons-Mission. Wenn er oder seine Astronautenkollegen in dieser Zeit im europäischen Forschungslabor Columbus an Experimenten arbeiteten, standen sie in engem Austausch mit dem Columbus-Kontrollzentrum (Col-CC) im Deutschen Raumfahrtkontrollzentrum des DLR in Oberpfaffenhofen. Marius Bach war als Flugdirektor für die Planung und den richtigen Ablauf der Experimente verantwortlich. „Wir freuen uns, dass Alex so viele deutsche und auch internationale Experimente erfolgreich durchführen konnte. Insgesamt hat er fast alle 100 Stunden Experimentzeit für den europäischen Teil seiner Mission abarbeiten können.“

Mit einem Team von 50 Mitarbeitern sorgte das Col-CC rund um die Uhr dafür, dass die Astronauten im Columbus-Labor die richtigen Bedingungen vorfanden. Jeden Dienstag haben Marius Bach und seine Kollegen direkt mit dem Astronauten die Arbeiten im Columbus-Forschungslabor abgesprochen. Neben einer effizienten Planung mussten Bach und nach dem routinemäßigen Wechsel ab Mitte September auch seine Nachfolgerin Laura Zanardini dafür sorgen, dass der Astronaut seine Kräfte richtig einteilen konnte: „Alex ist dafür bekannt, dass er sehr sorgfältig arbeitet, deshalb wurde er von der ESA und auch der NASA oft für komplexe Aufgaben angefragt. Unsere Aufgabe war es immer wieder sicherzustellen, dass er in den Tagen danach auch seine Ruhephasen bekommt und einhält.“

 

Quelle: Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)