Hochsitz am Waldrand bei Höchberg am 22. Juni 2018 um 11:19 Uhr

Bodenfeuchte in Deutschland im April 2020 ungewöhnlich gering

Mit der bislang ungewöhnlich warmen und trockenen Witterung im April 2020 nimmt die Waldbrandgefahr in weiten Teilen Bayerns stark zu. Darauf hat Forstministerin Michaela Kaniber hingewiesen. Besonders hoch ist derzeit die Gefahr in weiten Teilen Nordbayerns, die im Laufe der Woche weiter zunehmen wird.

In den Landkreisen Aschaffenburg, Miltenberg, Main-Spessart, Bad Kissingen, Roth, Neumarkt in der Oberpfalz, Nürnberger Land und Rhön-Grabfeld wird schon jetzt zeitweilig die höchste Gefahrenstufe 5 erreicht. Auch in der südlichen Hälfte Bayerns verschärft sich die Lage. Aus diesen Gründen wurden in einigen Regierungsbezirken bereits Luftbeobachtungen zur Überwachung der Gefahrenlage angeordnet.

Trockene Nadelstreu und am Boden herumliegende Zweige sind leicht entzündlich. Ein Funke oder eine achtlos weggeworfene Zigarette können ausreichen, um einen folgenschweren Brand auszulösen. Die Ministerin rät deshalb Waldbesuchern, in Waldnähe auf Grillen und offenes Feuer zu verzichten und im Wald das bis Ende Oktober geltende Rauchverbot unbedingt einzuhalten. Ein nicht zu unterschätzendes Risiko sind ebenfalls Fahrzeuge mit heißem Katalysator: Schon im Eigeninteresse sollte man keinesfalls auf leicht entzündbarem Untergrund parken. Waldbesitzern wird empfohlen, beim Aufarbeiten von Borkenkäferschäden anfallendes Holz, Reisig oder Kronenmaterial nicht zu verbrennen, sondern aus dem Wald abzutransportieren oder zu hacken. Besonders waldbrandgefährdet sind lichte Kiefernbestände und stark frequentierte Wälder in Ballungsgebieten. Eine Entspannung der Gefahrensituation wird erst nach ergiebigen Regenfällen und sinkenden Temperaturen erwartet.

 

Quelle: Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten

 

 

In Deutschland begann die Vegetationsperiode 2020 zwei Wochen früher

Durch die milde Witterung im Winter 2019/2020 begann die Vegetationsperiode in diesem Jahr bereits Mitte März, fast zwei Wochen früher als im vieljährigen Mittel. Nahezu zeitgleich setzte eine sehr niederschlagsarme Witterung ein. Nach Berechnungen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) fielen vom 14. März 2020 bis zum 18. April 2020 verbreitet weniger als 10 Liter pro Quadratmeter (l/m²) Niederschlag (Abb. 1). Zugleich sorgte an vielen Tagen Sonnenschein, sehr trockene Luft und zeitweise auch frischer bis starker Wind für hohe Verdunstungsraten von etwa 6 l/m² am Tag. Der Wasserbedarf der Pflanzen war in diesem Zeitraum also deutlich höher als die Niederschlagsmenge und musste aus dem im Boden gespeicherten Wasser gedeckt werden. Eine Folge: Vielerorts war der potentielle Wasserbedarf der Vegetation im genannten Zeitraum deutlich größer als die Wassermenge, die durch den Bodenwasserspeicher in der durchwurzelten Bodenzone zur Verfügung gestellt werden konnte (Abb. 2). Tobias Fuchs, Vorstand Klima und Umwelt des DWD: „Die Folgen konnten viele von uns bei Spaziergängen in der Natur oder im eigenen Garten beobachten: Die oberen Bodenschichten sind ausgetrocknet. In einigen Gebieten Deutschlands ist die Bodenfeuchte jetzt schon auffällig niedrig.“

 

Austrocknung der oberen Bodenschichten ist im Frühling normal

Allerdings ist, so der DWD, eine allmähliche Austrocknung der Böden mit Einsetzen der Vegetationsperiode im Frühling ein normaler Vorgang. In den meisten Regionen Deutschlands ist der Bodenwasserspeicher im Mittel am Ende des Winters aufgefüllt. Das entspricht dann einer nutzbaren Feldkapazität (nFK) von rund 100 Prozent. In einem Jahr mit durchschnittlichen Niederschlägen ist der Wasserbedarf der Vegetation im Frühling und Sommer höher als die mittleren Niederschlagsmengen in diesem Zeitraum. Dadurch trocknen die Böden in den Schichten bis 60 cm Tiefe bis zum Ende des Sommers auf Werte um die 50 Prozent nFK (eher trockene Regionen) bis 80 Prozent nFK (niederschlagsreiche Regionen) aus.

Im Winter 2019/2020 (Abb. 3, Abb. 4) wurden die Bodenwasserspeicher in Deutschland gut gefüllt, im Februar fiel in weiten Teilen Deutschlands sogar das Zwei- bis Dreifache der üblichen Niederschlagsmenge. Lediglich in der Region vom Thüringer Becken über das südliche Sachsen-Anhalt bis zur Lausitz blieb die Auffüllung (Abb. 5) unvollständig.

 

Ausblick über die weitere Entwicklung der Trockenheit

Bis Freitag, 24. April 2020, sagt der DWD trockenes, sonniges und zunehmend warmes Wetter voraus. Zugleich erhöhen sehr trockene Luft und kräftiger Ostwind die Verdunstung. Das führt zu weiter sinkenden Bodenfeuchtewerten und einer hohen bis sehr hohen Waldbrandgefahr im Bereich östliches Niedersachsen bis nach Brandenburg sowie im Süden und Südwesten Deutschlands (Aktuelle Details: www.dwd.de/waldbrand). Am Wochenende nimmt dann der Hochdruckeinfluss ab und Niederschläge werden lokal etwas wahrscheinlicher. Fuchs: „Die Regenmengen, mit denen wir ab dem Wochenende rechnen können, dürften aber vorerst nicht ausreichen, um die aktuelle Trockenheit flächendeckend und nachhaltig zu beenden.“ Ob der Mai nach dem voraussichtlich sehr trockenen April mehr Niederschlag bringt, lasse sich zurzeit noch nicht abschätzen. Ein Blick ins Klimaarchiv des DWD zeige nur: „Nach zu trockenen Aprilmonaten traten in der Vergangenheit trockene und nasse Maimonate etwa gleich häufig auf.“

 

Fachlicher Hinweis:
Die Bodenfeuchte ist neben der Witterung sowohl von der Art des Bodens als auch vom Bewuchs abhängig. Für seine vergleichenden Abschätzungen hat der DWD daher angenommen, dass es sich bei der Bodenart um einen sandigen Lehm und beim Bewuchs um Gras handelt. Die Bodenfeuchteberechnungen beziehen sich soweit nicht anders angegeben auf die obersten 60 cm. Die Bodenfeuchte wird in Prozent der nutzbaren Feldkapazität (nFK) angegeben. Die nutzbare Feldkapazität ist eine Größe für das pflanzenverfügbare Wasser im Boden. Bei 100 Prozent nFK kann der Boden kein weiteres Wasser aufnehmen und dauerhaft gegen die Schwerkraft halten. Bei 0 Prozent nFK können die Pflanzen dem Boden kein weiteres Wasser mehr entziehen (Welkepunkt).

 

Quelle: Deutscher Wetterdienst (DWD) – PM vom 21.04.2020