Unser Garten am 6. November 2022

Das Wetter in Deutschland im November 2022

Im November ein Plus beim Sonnenschein von 40 Prozent

Regen, vielleicht auch mal Schnee, viele Nebeltage, kühle Temperaturen und eine Sonnenscheibe, die sich hinter einer tiefgrauen Wolkensuppe nur noch erahnen lässt – so kannte man den klassischen November. Und 2022? Hier zeigte sich die Sonne sehr oft, bei vorrangig milder und im Norden auch niederschlagsarmer Witterung.

Im Norden grüßten in einer kurzen Szene auf dem Weg in die dritte Monatsdekade auch mal Väterchen Frost und Frau Holle. Aufs Ganze gesehen war der letzte Herbstmonat zu warm, zu trocken und sehr sonnig. Das meldet der Deutsche Wetterdienst (DWD) nach ersten Auswertungen der Ergebnisse seiner rund 2.000 Messstationen.

Kaltluftvorstoß drosselte die zu milde Witterung vorübergehend

Das diesjährige Novembermittel der Lufttemperatur lag mit 6,4 Grad Celsius (°C) um 2,4 Grad über dem Wert der international gültigen Referenzperiode 1961 bis 1990. Im Vergleich zur aktuellen und wärmeren Vergleichsperiode 1991 bis 2020 betrug die Abweichung +1,6 Grad. Dank der Südwest- bis Westströmung blieb uns das im Oktober gesteigerte Temperaturniveau auch im November weitgehend erhalten. Auf zum Teil über 20 °C kletterten die Höchstwerte in den ersten beiden Novemberwochen. Dabei lief Müllheim, südlich von Freiburg, am 8. mit 20,5 °C allen anderen Messungen den Rang ab. Ende der zweiten Novemberdekade reihte sich eine kurze, aber pikante Kostprobe des Winters ein. Zwischen dem 19. und 21. berichteten zahlreiche nord- und mitteldeutsche Stationen über die „strengsten“ Fröste in diesem Jahr. In den Mittelgebirgen wurde sogar die Marke von -10 °C unterschritten. Im Oberharz am Brocken wurde am 20. mit -11,6 °C der bundesweite Tiefstwert erreicht.

Deutlich zu wenig Niederschlag im November

Im letzten Herbstmonat fielen mit rund 50 Litern pro Quadratmeter (l/m²) nur etwa drei Viertel des Niederschlags der Referenzperiode 1961 bis 1990 (66 l/m²). Im Vergleich zu 1991 bis 2020 erreichte die Menge etwa 80 Prozent des Solls (63 l/m²). Im Schwarzwald wurden vom DWD die höchsten Tages- und Monatssummen gemessen. So fielen allein am 17. in Freudenstadt-Kniebis 57,8 l/m² und in Baiersbronn-Ruhestein über den Monat verteilt etwa 270 l/m². Der Nordosten klagte hingegen über ein enormes Niederschlagsdefizit. Unter 10 l/m² – teilweise als Schnee – wurden häufig nur aufgefangen. Deutlich eingeschneit waren die höheren Lagen der Mittelgebirge zu Beginn der dritten Monatsdekade. Zeitweise lagen über 10 cm Schnee.

Am sonnigsten war es im Westen und Osten

Mit 75 Stunden überragte die Sonnenscheindauer im November ihr Soll von 53 Stunden (Periode 1961 bis 1990) um fast 40 Prozent. Im Vergleich zur Periode 1991 bis 2020 lag die positive Abweichung in einer ähnlichen Größenordnung. Vor allem in den östlichen Regionen sowie in Nordrhein-Westfalen befand sich die Sonne abseits der Berge mit über 100 Stunden Sonnenschein auf Rekordkurs. Im äußersten Norden halbierte sich diese Summe.

Das Wetter in den Bundesländern im November 2022

(In Klammern finden Sie die vieljährigen Mittelwerte der internationalen Referenzperiode 1961-1990. Der Vergleich aktueller mit diesen vieljährigen Werten ermöglicht eine Einschätzung des längerfristigen Klimawandels)

Baden-Württemberg: Der Südwesten kam im November auf ein Temperaturmittel von 6,6 °C (3,5 °C). Müllheim, südlich von Freiburg, meldete am 8. mit 20,5 °C die bundesweit höchste Temperatur. Der Schwarzwald schnappte sich mit deutlich über 200 l/m² die meisten Niederschläge. In der Fläche kamen 76 l/m² (82 l/m²) zusammen. Damit landete Baden-Württemberg auf Platz 2 der nassesten Regionen. Die Sonne schien 72 Stunden (62 Stunden).

Bayern: Der novembertypische Temperaturrückgang erfolgte zwar, aber auf durchweg hohem Niveau, so dass der 11. Monat sich mit sehr milden 5,4 °C (2,8 °C) verabschiedet. Im Ländervergleich befand sich Bayern aber auf Platz 2 der kühlsten Regionen. 62 l/m² (70 l/m²) und 76 Stunden (57 Stunden) Sonnenschein wurden vom DWD ermittelt.

Berlin: Nach einem milden Temperaturverlauf zu Beginn rauschten die Werte ab der zweiten Monatshälfte deutlich in den Keller. Auf mäßige Nachtfröste folgte am 21. sogar ein Eistag, ehe sich die Temperaturkurve in der letzten Monatswoche wieder „erholte“. Das Novembermittel lag am Ende bei 5,8 °C (4,7 °C). Deutlich zurück aber blieb die Niederschlagsausbeute mit 10 l/m² (48 l/m²). Die Hauptstadt war die trockenste Region. Dafür schien die Sonne doppelt so häufig wie üblich mit etwa 100 Stunden (50 Stunden). Gemeinsam mit Sachsen dürfte Berlin im November das sonnigste Bundesland gewesen sein.

Brandenburg: Zwischen dem 19. und 21. spürten die Brandenburger den bis dahin markantesten Kaltlufteinbruch des laufenden Wetterjahres. Die Frühtemperaturen lagen zwischen -5 und nahezu -10 °C. Bis Monatsende aber kraxelten die Temperaturen wieder auf Normalniveau. Im Mittel erreichte der November 5,5 °C (4,4 °C). Bezeichnend war auch die Niederschlagsmenge: Mit 19 l/m² (45 l/m²) was es erheblich zu trocken. Dafür brillierte der November mit reichlich Sonnenschein. In Zahlen: 85 Stunden (50 Stunden).

Bremen: Mit 7,4 °C (5,2 °C) gehörte Bremen zu den wärmeren Bundesländern. Die zunächst noch frühlingshaften Temperaturen gingen zu Beginn der dritten Dekade deutlich in den Keller. -6,2 °C zeigte das Thermometer am Morgen des 21. Das Interessante daran ist: es handelt sich dort um den bislang tiefsten Wert in diesem Jahr. Auch die Niederschlagsmenge blieb mit 43 l/m² (66 l/m²) niedrig. Dafür zeigte sich die Sonne mit 73 Stunden (51 Stunden) häufiger.

Hamburg: In der Millionenmetropole war der November 7,1 °C (5,2 °C) mild. Zur dritten Monatsdekade bildete sich aber eine markante Temperaturdelle. Am 19. wurde mit -6,2 °C in Fuhlsbüttel die bislang tiefste Temperatur des Jahres festgehalten. Der Monatsniederschlag erreichte nur 25 l/m² (67 l/m²). Die Sonnenscheindauer von 51 Stunden (49 Stunden) entsprach dem Klimamittel.

Hessen: Der letzte Herbstmonat war in Hessen mit 6,8 °C (3,8 °C) deutlich zu mild und mit 56 l/m² (71 l/m²) etwas zu trocken. Die Novembersonne schien dafür mit 69 Stunden (43 Stunden) mehr als ausreichend.

Mecklenburg-Vorpommern: Auf die äußert milde erste Novemberhälfte folgte im Übergang zur dritten Monatsdekade ein markanter Kaltlufteinbruch. Besonders am Morgen des 19. fielen die Tiefstwerte mit teils unter -7 °C vielerorts auf ein Niveau, wie im gesamten bisherigen Jahresverlauf nicht. Rasch stiegen sie aber wieder an und verblieben bis Monatsende in einer recht stabilen Seitenlage. Mit 6,3 °C (4,5 °C) verabschiedete sich der November im Mittel und brachte dem zweittrockensten Bundesland mit 16 l/m² (52 l/m²) niederschlagsarme Wochen. 55 Stunden (52 Stunden) Sonnenschein standen in der Bilanz.

Niedersachsen: In Niedersachsen brachten meist westliche Winde im Mittel 7,0 °C (4,9 °C) warme Luftmassen. Einen Bruch in der Strömung gab es im Übergang zur dritten Monatsdekade, als die Frühtemperaturen in den mäßigen Frostbereich (-5 bis -10 °C) rutschten. Die Aufzeichnungen für das Jahr 2022 zeigen: So kalt war es bislang noch nicht. Zum Novembermonat gehörten auch 40 l/m² (66 l/m²) und 77 Sonnenstunden (49 Stunden).

Nordrhein-Westfalen: NRW zeigte mit 8,1 °C (5,1°C) als wärmstes Bundesland allen anderen die Rücklichter. Frieren musste man aber auch hier mal, vor allem in den östlichen und nördlichen Regionen. In den Morgenstunden des 19. und 20. hieß es jeweils „Frostwarnung“ bei Tiefstwerten zwischen minus 5 und örtlich minus 10 °C. Die Niederschlagssumme erreichte rund 54 l/m² (79 l/m²), die Sonne schien 90 Stunden (53 Stunden).

Rheinland-Pfalz: Rheinland-Pfalz gehörte im November 2022 mit 71 l/m² (75 l/m²) zu den nassesten Gefilden. Darüber hinaus war der November mit 7,4 °C (4,1°C) und 67 Stunden (53 Stunden) mild und sonnig.

Saarland: Das kleinste Flächenland war mit 7,7 °C (4,4 °C) die zweitwärmste und mit 99 l/m² (95 l/m²) die niederschlagsreichste Region. Mit einer Sonnenscheindauer von 45 Stunden (53 Stunden) lag es an vorletzter Stelle. Am Nachmittag des 17. richtete ein Tornado unter anderem in Remmesweiler, Urexweiler und Dirmingen schwere Schäden an. Schätzungen zufolge wurden Windgeschwindigkeiten um 180 km/h erreicht.

Sachsen: Sachsen befand sich im November auf der Sonnenseite. Etwa 100 Stunden (54 Stunden) schien sie dort insgesamt. Sachsen dürfte mit Berlin im November 2022 das sonnigste Bundesland gewesen sein. Die meteorologische Datenbank zeigte aber auch, dass der November 2022 der Drittsonnigste in Sachsen war. 37 l/m² (52 l/m²) brachte der 5,2 °C (3,8 °C) milde November, der in seinem Temperaturverlauf aber auch einen bemerkenswerten Frostschock zeigt: Zwischen dem 19. und 20. traten die tiefsten Temperaturen des Jahres auf. Sachsen war das kühlste Bundesland.

Sachsen-Anhalt: Lautstark klopfte Väterchen Frost am 19. und 20. an die Tür und hatte die bis zum heutigen Tag tiefsten Temperaturen des Jahres im Gepäck. Oberharz am Brocken registrierte am 20. mit -11,6 °C die bundesweit tiefste Temperatur. Mit 5,8 °C (4,5 °C) war der November dennoch zu mild und mit 26 l/m² (43 l/m²) auch zu trocken. Mit 95 Stunden (51 Stunden) war es der drittsonnigste November.

Schleswig-Holstein: Auch das sonst von der Nord- und Ostsee gewärmte nördlichste Bundesland blieb vom ersten Vortasten des Winters im November nicht verschont. So konnten zwischen dem 19. und 22. leichte bis mäßige Nachtfröste beobachtet werden. Mit 7,1 °C (5,0 °C) verlief der Monat aber insgesamt zu mild und mit 42 l/m² (83 l/m²) auch zu trocken. Als sonnenscheinärmste Region meldete Schleswig-Holstein 40 Stunden (50 Stunden).

Thüringen: Mit 5,6 °C (3,3 °C) verlief der November im Freistaat recht mild. An diesem Ergebnis konnten auch die bislang tiefsten Temperaturen des Jahres am 20. und 21. nichts ändern. In Bad Berka wurden -7 bis -11,1 °C, gemessen. Begleitet wurde der Frostluftvorstoß von einer ordentlichen Schippe Bergschnee. Am Niederschlagsdefizit von 32 l/m² (56 l/m²) konnte dieser aber auch nicht rütteln. Außergewöhnlich oft schien die Sonne mit 87 Stunden (49 Stunden).


Alle in dieser Pressemitteilung genannten Monatswerte sind vorläufige Werte. Die für den letzten Tag des Monats verwendeten Daten basieren auf Prognosen. Bis Redaktionsschluss standen nicht alle Messungen des Stationsnetzes des DWD zur Verfügung.

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