Zweiter Steinbruch oberhalb des Riedwegs
Steinbruch am Bachleitenberg (Bohleite)

Die Steinbrüche oberhalb von Goßmannsdorf am Main

Am Mittwoch, dem 12. Januar 2022 war das Wetter vielversprechend. Schon am Vormittag schien die Sonne. Die Tageshöchsttemperatur lag bei plus 3 Grad.  Da wir ohnehin nach Ochsenfurt mussten, bot sich eine Wanderung am südlichen Maindreick an. Eigentlich wollten wir zum Zeubelrieder Moor, entschieden uns dann aber für eine anspruchsvollere Route.

Die Steinbrüche oberhalb von Goßmannsdorf am Main sollten unser Ziel sein. Wir nahmen uns vor, alle uns bekannten Steinbrüche mit einer Wanderung zu besuchen. Das hat auch geklappt und wir legten insgesamt 12 Kilometer zu Fuß zurück. Mit Pausen waren wir insgesamt gut 4 Stunden unterwegs. Aufgrund der Plustemperaturen war der Boden in der Goßmannsdorfer Flur nicht gefroren und die Wanderung gestaltete sich teilweise recht schwierig. Ohne unsere Wanderstöcke hätte es wohl öfters Stürze gegeben.

www.mainfranken-fotos.de

Unser Video vom Steinbruch am südlichen Maindreieck

Südlich von Würzburg wird das Maintal weiter und die Talhänge sind nicht mehr so schroff und steil. Neben Weinbau und Streuobst haben hier die Steinindustrie und die stadtnahe Erholungsnutzung die Landschaft geprägt. Zahlreiche Steinbrüche und Abraumhalden aus unbrauchbarem Muschelkalkstein sind entstanden, die meisten bereits wieder stillgelegt. Unser nachfolgendes Video zeigt den Steinbruch der Fa. Ruppert GmbH & Co. KG oberhalb des Ölkammerwegs. Von dort oben aus hat man einen herrlichen Rundumblick in die Region am südlichen Maindreieck.

YouTube Video von Artur Schmitt

Kurz vor 11 Uhr stellten wir unseren Pkw in Goßmannsdorf im Zeilweg ab und machten uns auf den Weg. Wir überquerten die Zehnthofstraße und bogen vom Ölkammerweg nach rechts in den Lehmgrubenweg ab. Am Parkplatz im Lehmgrubenweg sind neben der Dorfmauer die einzigen Überreste des ehemaligen Dorfgrabens zu sehen. Nun ging es nach links weiter zum Tannenwaldweg. Dort verließen wir den bebauten Bereich des Ortes und wanderten hoch zum Tannenwald. Um 11:20 Uhr erreichten wir den ersten Steinbruch.

Die Steinbrüche auf Google Maps

Bewusst haben wir die Beschreibung der sechs von uns besuchten Steinbrüche kurz gehalten und lassen lieber unsere Bilder sprechen

Steinbruch am Tannenwald

Steinbruch oberhalb des Ölkammerwegs

Steinbrüche am Riedweg

Steinbruch am Bachleitenberg

Steinbruch am Eichenleitenberg

Alter Steinhauerweg

 

Steinbruch am Tannenwald

Der Steinbruch wurde 1931 von der Gemeinde Goßmannsdorf als Notstandsarbeit eröffnet. Im Jahr 1950 verpachtete die Gemeinde den Steinbruch an die Fa. M. u. G. Gresser. Zeitweise waren hier 10 bis 20 Arbeiter beschäftigt. Der Einsatz eines Derrickkrans brachte den Beschäftigten erste Arbeitserleichterungen. Mit einem Lkw wurden die Steine ins Tal transportiert. Seit 1975 liegt der Steinbruch still und bietet heute einen großen optischen Reiz. Wenige Gehminuten später erreichten wir in Richtung Westsiedlung Ochsenfurt unseren zweiten Steinbruch.

Steinbruch oberhalb des Ölkammerwegs

Etwa um 1950 hat die Fa. Henneberger-Renninger hier mit der Steinausbeute begonnen. Ludwig Renninger schied nur wenig später aus und hat in Sommerhausen einen eigenen Steinbruch betrieben. Im Jahr 1970 hat die Fa. Albin Ruppert den Steinbruch übernommen. Es begann ein intensiver Abbau von Muschelkalksteinen, der heute noch andauert.

„Unterfranken gehört zu den markantesten Muschelkalk-Landschaften in Deutschland. Direkt vor unserer Haustür liegen die Steinbrüche, aus denen wir Natursteine für unsere Kunden gewinnen. Der fränkische Muschelkalk verfügt über hervorragende technische Werte. Das sehr kompakte Material kann für Bodenbeläge, den Landschaftsbau oder Massivarbeiten verwendet werden.“

Fa. Ruppert GmbH & Co. KG

Steinbrüche am Riedweg

Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts lag die Gemeinde Goßmannsdorf immer wieder im Streit mit den Steinbruchbesitzern über den Unterhalt der belasteten Straßen. Im Jahr 1912 hatte die Fa. Vetter einen Steinbruch am Riedweg. Ihrer Verpflichtung, den Weg zu erhalten, kam die Firma jedoch nicht nach. So kam es immer wieder vor, dass die Straßen so sehr reparaturbedürftig wurden, dass sie zeitweise gesperrt werden mussten. 1920 war die Fa. Plattner Besitzer des Steinbruchs und baute dort zwei Kalköfen. Zur Beschickung der Öfen baute die Firma eine Gleisanlage hoch zum Steinbruch, dem dritten unserer Wanderung. Ich kann mich noch gut an die Loren im Steinbruch erinnern. Als Kinder haben wir dort gerne gespielt. Heute ist von den Gleisen und Loren nichts mehr zu finden. Der Steinbruch wird als Lagerplatz von der Paul Hofmann GmbH Natursteine genutzt.

Wir wanderten oberhalb des Steinbruchs weiter Richtung Flugplatz Giebelstadt und erreichten um 12:30 Uhr unseren vierten Steinbruch. Bis in die 1960er Jahre hatte hier die Fa. Ruppert den Steinbruch betrieben. Das marode Schotterwerk steht heute noch. Wenn ich hier bin, muss ich immer an zwei Ereignisse denken: Am 7. Juni 1979 haben Bekannte von mir auf einer Magerwiese oberhalb der Steilwand des Steinbruchs mit einem VW-Käfer unsinnige „Fahrübungen“ veranstaltet und sind mit dem Pkw in den Steinbruch gestürzt. Alle haben verletzt überlebt. Der VW-Käfer sah aus wie ein Cabriolet. Am 5. August 1979 fand hier ein Open-Air-Konzert u.a. mit der Würzburger Jazz-Band Confetti-Allstar-Band statt. Die Flächen oberhalb des Riedwegs dienten früher außerdem für Motocross-Rennen. Die Teilnehmer überraschten uns immer wieder mit ihrem Geschick.

Von der Riedquelle aus wanderten wir über den Urlesberg in Richtung Goßmannsdorf. Kurz nach dem Ortseingang in der Darstadter Straße bogen wir nach links auf den Weg hoch zur Grotte ab. Nach dem Besuch der Grotte ging es in Richtung Darstadt weiter zu unserem fünften Steinbruch. Wir passierten in der Nähe der Grotte am Bachleitenberg auch Flächen, von denen man meinen könnte, dass es sich hier um frühere Steinbrüche handle. Dort wurden in der Vergangenheit zwar Grabungen für einen Steinbruch begonnen, aber ohne weitere Ausbeute wieder eingestellt.

Steinbruch am Bachleitenberg (Bohleite)

Im Jahre 2013 erwarb die Fa. Naturstein Borst aus Kirchheim den ehemaligen Steinbruch der Firma Vetter aus Eltmann. Das Kernmaterial der Bohleite besticht durch seine beigen- und ockerfarbenen Einschlüsse, die dem Material einen warmen Gesamtton verleihen. Der Muschelkalk der Bohleite eignet sich durch seine Witterungs- und Frostbeständigkeit sowohl für den Innenbereich als auch hervorragend für die Verwendung im Außenbereich.

„Besonders eignet sich dieser Stein aufgrund der angenehmen Struktur und Farbvielfalt für die Anwendung im Garten- und Landschaftsbau. Aufgrund seiner hervorragenden Eigenschaften findet dieses Material viele Verwendungsmöglichkeiten sowohl im Platten- und Massivbaubereich als auch für Spaltprodukte, wie Pflaster, Mauersteine, Quadersteine usw. Er wurde z.B. am Bürogebäude Campus und Westhafen Torhaus in Frankfurt am Main verwendet. Viele historische Bauwerke aus der Zeit um 1900 wurden im gesamten Bundesgebiet aus diesem Muschelkalk erbaut.“

Natursteinwerk Borst

Nach dem Besuch dieses wunderschön gelegenen Steinbruchs machten wir uns nun über die Felder auf den Weg zum Alten Berg und zu unserem sechsten und zugleich letzten Steinbruch.

Steinbruch am Eichenleitenberg

Auszug aus der Infotafel am Steinbruch:

Ab etwa 1900 erkannte man den Nutzen der Muschelkalkabbaugebiete und mehrere Firmen bewarben sich um die Betriebsgenehmigungen, darunter Vetter aus Berlin und Winterhelt aus Miltenberg, die Steinverarbeitungswerke in Winterhausen eröffneten. Dort wurden die Quadersteine aus dem Goßmannsdorfer Steinbruch verarbeitet und per Eisenbahn verschickt, so z. B. nach Hamburg zum Elbtunnelbau und nach Berlin zum Reichstagsgebäude.

Rebellion der Steinhauer im Jahr 1906

Erwähnenswert ist hier die ebenfalls auf der Infotafel beschriebene Rebellion der Steinhauer im Jahr 1906, die darauf zurückzuführen sei, dass die Steinhauer mit dem Lohn für die harte Arbeit nicht mehr einverstanden waren. Ob das so stimmt, ist fraglich. Weiter oben hatten wir schon von den immer wieder durch den Steinabbau auftretenden Schäden an den Straßen gesprochen. Erich Weiß schreibt dazu in seinem Buch über Goßmannsdorf, dass im Jahr 1906 in einer Gemeindeversammlung wegen des leidigen Themas beschlossen wurde, die Straßenbaukosten mit einem Lokalbieraufschlag zu decken. Dieser Beschluss soll die eigentliche Ursache für einen großen Streik der Steinarbeiter gewesen sein. Der Bierkonsum der Arbeiter im Steinbruch soll ja recht hoch gewesen sein. Also scheint uns diese Version des Streiks als die glaubwürdigere. Die Firma Vetter, die in Ebelsbach auch Steinbrüche und ein Steinwerk betrieb, schickte daraufhin ihre dortigen Arbeiter als Streikbrecher nach Goßmannsdorf. Am 20. August 1906 schlossen sich die Steinhauer aus den umliegenden Dörfern zusammen und griffen die am Bahnhof aus Ebelsbach eintreffenden Streikbrecher an. Am 20. Dezember 1906 kam es zu einer Anklage wegen Landfriedensbruch. Insgesamt 53 Streikteilnehmer sollen u.a. wegen Landfriedensbruch angeklagt worden sein.

Alter Steinhauerweg

Zum Abschluss unserer Wanderung haben wir für den Abstieg nach Goßmannsdorf den Alten Steinhauerweg gewählt und an die Steinbrucharbeiter gedacht, die hier früher täglich gelaufen sind, um in Handarbeit die Muschelkalkquadersteine zu brechen, zu teilen und zu verladen. Da es auf der gesamten Strecke recht schlammig zuging, machten wir noch einen Abstecher ans Mainufer, um unsere Schuhe und Stöcke zu säubern. Auf einer Ruhebank genossen wir den Sonnenuntergang.

Fotoarchiv Goßmannsdorf 2003 bis 2022 →

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