Hoheitssäulen im Irtenberger Wald am 5. Juli 2026

Die Hoheitssäulen im Irtenberger Wald

Die Hoheitssäulen im Irtenberger Wald sind zwei über vier Meter hohe Grenzmonumente aus rotem Sandstein aus dem Jahr 1584. Sie markierten historisch die Grenze zwischen dem Hochstift Würzburg und dem Erzstift Mainz. Am 5. Juli 2026 haben wir die Grenzmonumente während unserer rund 18 Kilometer langen Wanderung von Eisingen durch den Irtenberger Wald etwas genauer angeschaut. Auf dem Rückweg haben wir noch einen Abstecher zum etwa 3 km entfernten Blutsee-Moor gemacht.

Lageplan

YouTube Video vom 5. Juli 2026

Fotos vom 5. Juli 2026

Geschichte und Bedeutung

  • Errichtung 1584: Aufgestellt unter Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn nach langjährigen Grenzstreitigkeiten.
  • Vertrag von 1585: Die Grenzziehung wurde am 30. März 1585 offiziell vertraglich geregelt.
  • Geleitrecht: Sie dienten als Markierung für Zoll, Begleitschutz und Gerichtsbarkeit an belebten Altstraßen (wie der Weinstraße).
  • Heutige Grenze: Die historische Linie trennt bis heute die Bundesländer Bayern und Baden-Württemberg.

Aussehen und Aufbau

  • Zwei Säulen: Die beiden Buntsandsteinsäulen stehen Rücken an Rücken direkt nebeneinander.
  • Entgegengesetzte Ausrichtung: Jede Säule blickt um 180 Grad gedreht in das jeweilige Territorium.
  • Aufsatz & Wappen: Sie tragen das Wappen des jeweiligen Herrschers sowie beschriftete Aufsatztafeln.
  • Volksmund: Im regionalen Sprachgebrauch werden sie auch als „Geleitsäulen“ oder „Zollstöcke“ bezeichnet.

Standort und Besichtigung

  • Lage: Südwestlich von Kist nahe dem Forsthaus Irtenberg.
  • Erreichbarkeit: Über ausgeschilderte Wander- und Radwege gut zugänglich.
  • Parkmöglichkeit: Startpunkt ist oft der Wanderparkplatz nahe der Staatsstraße 578.

Wiedergabe des Textes auf der Infotafel in der Nähe der Hoheitssäulen

Die Hoheitssäulen von 1584 im Irtenberger Forst

Genau an der Landesgrenze von Bayern und Baden-Württemberg stehen hier 300 m südwestlich vom Forsthaus Irtenberg und etwa 150 m waldeinwärts südlich der einstigen Geleitstraße (heute Staatsstraße 578/Romantische Straße) diese über vier Meter hohen Sandstein-Rundsäulen. Ursprünglich führte früher an dieser Stelle die alte Weinstraße (historischer Handelsweg vom badischen Taubertal in den Ochsenfurter Gau), über Oberaltertheim und Kleinrinderfeld verlaufend, vorbei.

Damals stießen an dieser Grenze die Machtbereiche des Hochstifts Würzburg (Fürstbistum) und des Erzstifts Mainz (Kurmainz) aufeinander. Diese „Geleitsäulen“ oder „Zollstöcke“ wurden nach Abschluss von stetigen Grenzstreitigkeiten in der Regierungszeit von Fürstbischof Julius Echter (1573-1617) errichtet und zeigen jeweils über den mit der Jahreszahl 1584 flankierten Wappen die eingemeißelten Inschriften Maintzisch Glaidt Zent / Zoll wildtban hohe und / nidere Oberkeit. A. (darunter das Wappen des damaligen Mainzer Erzbischofs Wolfgang Kämmerer v. Dalberg) und die gegen Würzburg gewandte Säule Wirtzburgisch Gelaid. / Zennth. Wildban. / Hohe und Nider / Obrigkeit. A. mit dem Echter-Wappen im Kapitell. (Eine einheitliche Schreibweise gab es damals noch nicht.)

Um auf dieses seltene Kulturdenkmal wieder freien Blick zu erhalten, hatten wir es 2005 weiträumig von umwucherndem Gestrüppe befreit und so wahrlich aus seinem Dornröschenschlaf erweckt. Anschließend wurde in Zusammenarbeit mit Kreisheimatpfleger Hans Schmelz (Würzburg) eine dringend notwendige Sanierungsmaßnahme eingeleitet, im Herbst des Folgejahres von Helmut Grimm (Kleinrinderfeld) ausgeführt und von Bayerischen Staatsforsten mit Beteiligung des Bezirks Unterfranken finanziert.

Freundeskreis Waldbrunner Denkmäler * ANNO DOMINI 2026