Der Main bei Fahr

Regierung von Unterfranken löst für gesamten unterfränkischen Main „Alarm“ aus

Auf der Grundlage des „Alarmplans Main – Gewässerökologie“ hält die Regierung von Unterfranken aufgrund weiter angestiegener und hoher Wassertemperaturen die Warnstufe „Alarm“ für den Meldebereich 1, der von der Landesgrenze zwischen Bayern und Hessen bei Kahl (Main-km 66,6) bis Würzburg (Main-km 252,3) reicht, aufrecht. Für den Meldebereich 2 von Würzburg Richtung Bamberg (Flusskilometer 252,3 bis 384,2) wird die Warnstufe „Alarm“ erstmalig ausgelöst. Sauerstoffwerte und Wassermenge (Abfluss) sind auf der gesamten Länge des unterfränkischen Mains bislang noch unkritisch.

Am 26. und 27. Juni wurden an den Wetterstationen in Kitzingen 40,8°C und in Würzburg 39,7°C gemessen. Diese sehr hohen Tagestemperaturen und tropische Nächte haben den Main auch nachts nicht mehr abkühlen lassen. Bei Erlabrunn wurden Wassertemperaturen in der Spitze von 30,2°C gemessen, das 3-Stunden-Mittel lag bei 29,9°C. Dies sind neue Rekordwerte! Der höchste bisher gemessene Wert im Main lag in Erlabrunn im Jahr 2025 bei 29,2°C für eine Dauer von 15 min. 

Auch in den anderen Mainbereichen flussaufwärts bei Trunstadt und flussabwärts bei Kahl wurden neue Tageshöchstwerte mit 28,0°C bzw. 28,8°C gemessen. Diese Ausnahmesituation wird sich noch weiter fortsetzen. Aktuelle Wetterprognosen lassen in den nächsten Tagen zwar eine gewisse Abkühlung erwarten. Bis diese niedrigeren Temperaturen merkliche Auswirkungen auf die Wassertemperatur haben, dürfte es allerdings etwas dauern. 

Seit Beginn der Messungen 1995 wurden im Meldebereich 2 bislang nur im Juli 2006 und im August 2018 maximal 25,7°C Wassertemperatur in der Spitze erreicht. Nun hat sich der Main dort seit dem 24. Juni 2026 deutlich über dieses Niveau auf 28°C im 3-Stunden-Mittel erwärmt. Die Tier- und Pflanzenwelt ist an derartige Bedingungen kaum angepasst. Bei Trunstadt und Schweinfurt liegt der Sauerstoffgehalt noch etwas über 6 mg/l, muss aber genau beobachtet werden. Denn bei hohen Wassertemperaturen benötigen gestresste Tiere mehr Sauerstoff. Sollten ab Dienstagnachmittag Unwetter und Starkregen über Unterfranken ziehen, kann es schnell zu sauerstoffzehrenden Vorgängen und zu einem Sauerstoffdefizit kommen. Dazu tragen auch Bodenpartikel, Stäube und Feststoffe bei, die bei Starkniederschlägen in die Gewässer gelangen. 

Dieser Gesamtsituation geschuldet hat die Regierung von Unterfranken in Abstimmung mit den Wasserwirtschaftsämtern Aschaffenburg und Bad Kissingen für den gesamten schiffbaren Main die Warnstufe „Alarm“ ausgerufen. Wärmeeinleitende Betriebe werden von den Wasserwirtschaftsämtern gezielt kontaktiert, um gemeinsam Wege zu finden, den Main in dieser kritischen Zeit zu entlasten. Immer mehr einleitende Betriebe haben sich bereits auf derartige Situationen eingestellt. 

Von der Überleitung aus dem Donauraum wird dem Main bislang noch ausreichend Wasser zugeführt. Die Abflusssituation im Main ist insgesamt noch gut und hilft bei den kritischen Wassertemperaturbedingungen. Aufgrund der fehlenden Niederschläge in ganz Bayern muss aber damit gerechnet werden, dass auch die Überleitung schrittweise reduziert werden muss. 

Die Gesamtsituation am unterfränkischen Main ist weiterhin ernst und wird durch die Wasserwirtschaftsämter Aschaffenburg und Bad Kissingen sowie die Regierung von Unterfranken engmaschig beobachtet. 

Maßnahmen der Warnstufe „Alarm“

Die Kreisverwaltungsbehörden (Landratsämter und kreisfreie Städte) wurden bereits gebeten, die Direkteinleiter (Kläranlagen und Industriebetriebe) zu verständigen, damit diese ihre Betriebsweise an die kritische Situation am Main anpassen können. Für kritische Zustände der Gewässerqualität des Mains bezüglich Temperatur, Sauerstoffgehalt und Abfluss wurden in den vergangenen Jahren von Einleitern, Kühlwassernutzern sowie Wasserentnehmern zusammen mit den Wasserwirtschaftsämtern, dem Bayerischen Landesamt für Umwelt und den Kreisverwaltungsbehörden auf ihre Anlagen zugeschnittene Maßnahmen entwickelt, die nun helfen sollen, die Belastung für den Main so weit wie möglich zu reduzieren. Nutzer werden darüber hinaus sensibilisiert, alle betrieblichen Möglichkeiten zu ergreifen, um eine weitere Belastung des Mains zu vermeiden. 

Nach den Vorgaben des Alarmplans sind bereits bei Auslösen der Warnstufe „Warnung“ Schlammräumungen und Baggerarbeiten im Main zu unterlassen, soweit sie nicht zwingend zur Aufrechterhaltung der Sicherheit und der Leichtigkeit des Verkehrs auf der Bundeswasserstraße notwendig sind. Denn durch das Aufwirbeln von Sediment gelangen organische Nährstoffe ins Wasser, die zu Sauerstoffzehrung und Trübung führen. Außerbetriebnahmen (auch teilweise) von Kläranlagen für Revisionsarbeiten sind nicht mehr zulässig. Sollten auch die Sauerstoffwerte die im Alarmplan festgelegten Schwellenwerte unterschreiten, wird am Kraftwerk Kleinostheim durch die Uniper Kraftwerke GmbH in Absprache mit der Regierung von Unterfranken und dem Wasserwirtschaftsamt Aschaffenburg die Wehrbelüftung oder Turbinenbelüftung eingeschaltet, um die Sauerstoffsättigung des Mainwassers lokal zu verbessern. Sollte die Sauerstoffsättigung in anderen Stauhaltungen einen kritischen Wert unterschreiten, kann die Kreisverwaltungsbehörde in Abstimmung mit dem Wasserwirtschaftsamt den Kraftwerksbetreiber zur Sauerstoffanreicherung durch Wehrüberfall veranlassen.

Nachdem die Möglichkeiten, die Wassertemperatur des Mains zu beeinflussen, sehr begrenzt sind, konzentrieren sich Maßnahmen vor allem darauf, das Sauerstoff- und Abflussregime zu stützen sowie Nutzungen des Gewässers, soweit möglich, schonend umzusetzen und Belastungen zu vermindern. Damit soll der Stress auf das Flusssystem Main und seine Lebewesen so gut wie möglich reduziert werden. 

Jeder kann etwas tun

Dabei kann jeder mithelfen! Alle Bürgerinnen und Bürger bitten wir zu beachten, dass die Lebewesen im Main aufgrund der hohen Wassertemperaturen zunehmend unter Stress stehen. Bei hohen Temperaturen brauchen die Tiere mehr Sauerstoff und Ruhe, um diese kritische Phase zu überleben. Somit kann jeder, der den Main zu Freizeitaktivitäten nutzt, einen Beitrag leisten, indem an der Wasseroberfläche nach Luft schnappende Fische nicht unnötig durch z. B. schnell fahrende Boote gestört und Tiere nicht unnötig aufschreckt werden. Wichtig ist zudem, schattige Uferunterstände als Refugium für Tiere nicht zu stören und das Aufwirbeln von Sediment und Schlamm, z. B. mit Paddeln, zu vermeiden. Daraus resultierende Sauerstoffdefizite bewirken bei Tieren zum Teil enorme Schäden bis hin zum Absterben.

Sollten Sie Ansammlungen größerer toter Fische entdecken, informieren Sie bitte die Wasserschutzpolizei unter der Nummer 110.


Was ist der Alarmplan Main Gewässerökologie?

Der Alarmplan Main Gewässerökologie ist ein präventiv und sensibilisierend wirkender Warnplan, der die Kennwerte Wassertemperatur, Sauerstoffgehalt an den Messstationen in Trunstadt, Erlabrunn und Kahl am Main sowie den Abfluss am Pegel Trunstadt berücksichtigt und in drei Warnstufen eingeteilt ist: 

  • „Vorwarnung“, wenn der Main nach der Oberflächengewässerverordnung im nicht mehr guten Zustand ist;
  • „Warnung“, wenn die Bedingungen im Main für Tiere und Pflanzen zunehmend physiologischen Stress verursachen;
  • „Alarm“, wenn die Bedingungen so viel Stress verursachen, dass es für Lebewesen im Main kritisch werden kann, diese zu überstehen; 

Dabei sind Schwellenwerte für alle Kennwerte je nach Meldebereich und Warnstufe hinterlegt. Für die „Vorwarnung“ und „Warnung“ genügt es, wenn ein Kennwert über- oder unterschritten wird und diese Über- oder Unterschreitung nicht nur vorübergehend erfolgt. Bei der Warnstufe „Alarm“ entscheidet ein Expertengremium aus Vertretern der Regierung und der zuständigen Wasserwirtschaftsämter über die Ausrufung und Entwarnung. 

Welche ökologischen Auswirkungen bewirkt der Temperaturstress im Gewässer?

Allgemein können hohe Wassertemperaturen, ein niedriger Sauerstoffgehalt oder hohe Schadstoffkonzentration durch verminderte Abflüsse bei Wasserlebewesen zu erheblichen physiologischen Stressreaktionen führen. Zu den wichtigsten Auswirkungen zählen:

  • Sauerstoffmangel (Hypoxie): Mit steigender Temperatur sinkt die physikalische Löslichkeit von Sauerstoff im Wasser. Gleichzeitig steigt der Stoffwechselbedarf bei den Tieren. Dies zwingt z. B. Fische dazu an der Wasseroberfläche nach Luft zu „schnappen“ oder macht sie, wie auch die meisten Kleinlebewesen (z.B. Insektenlarven, Kleinkrebse) u.a. apathisch bis sie schließlich absterben. 
     
  • Erhöhter Stress und Herz-Kreislauf-Belastung: Fische und Kleinlebewesen sind wechselwarm. Wärmeres Wasser beschleunigt ihre Atmung und Herzfrequenz, was den Energie- und Sauerstoffverbrauch massiv erhöht. 
     
  • Schwächung des Immunsystems: Der physiologische Stress schwächt die Abwehrkräfte der Fische. Dies macht sie extrem anfällig für bakterielle Infektionen, Parasiten und Pilzerkrankungen. 
     
  • Ausfall der Fortpflanzung: Viele heimische Arten von Fischen und Kleinlebewesen benötigen exakte Temperaturbereiche, um abzulaichen und sich zu entwickeln. Extreme Hitze oder Sauerstoffmangel können den Laichvorgang verhindern oder zum Absterben des Laichs und der Jungbrut führen. Arten können dabei sogar verschwinden.
     
  • Heimische Tierarten von Kleinlebewesen und Fischen kommen mit den erhöhten Wassertemperaturen oft viel weniger gut zurecht, wie eingewanderte Arten, die vor allem aus den unteren Bereichen der Donau stammen und den Main zunehmend bevölkern. Dabei verschwinden immer mehr heimische Arten zugunsten der sog. Neozoen (= neue Tiere) und die Biodiversität geht zurück.
     
  • Hohe Wassertemperaturen begünstigen die Ausbreitung von Cyanobakterien. Es entstehen sog. Blaualgenblüte, wenn genügend Nährstoffe im Wasser vorhanden sind. Manche Arten davon sind giftig und belasten das Wasser zusätzlich. Ist die Belastung zu hoch, sollte man darin nicht mehr baden oder schwimmen.

Quelle: Regierung von Unterfranken – PM vom 30.06.2026