Maximum der partiellen Sonnenfinsternis in Mainfranken am 12. August 2026 um 20:13 Uhr - Bedeckungsgrad: 87,99% – Verfinsterungsgrad: 0,899 (Magnitude)

Sonnenfinsternis und Maximum der Perseiden am 12. August 2026

Am 12. August 2026 bot sich uns am meist wolkenlosen mainfränkischen Abendhimmel bei besten Sichtverhältnissen ein spektakulärer „Astro-Dreierpack“. Eine außergewöhnlich tiefe partielle Sonnenfinsternis traf direkt auf die optimale Neumondnacht des Perseiden-Maximums. Da der Mond exakt vor der Sonne stand, blieb die anschließende Nacht maximal dunkel und sorgte für beste Bedingungen bei der Sternschnuppen-Beobachtung.

Verlauf der Finsternis in Mainfranken

Am Mittwoch, dem 12. August 2026 begann die Finsternis an unserem Beobachtungsort in Eisingen in Unterfranken um 19:20:31 Uhr. Es war dies der erste Kontakt von Sonne und Mond. Um 20:13:42 Uhr wurde bei einem Bedeckungsgrad von 87,99% – Verfinsterungsgrad: 0,899 (Magnitude) – die maximale Verdunkelung erreicht. Der Mond stand dem Mittelpunkt der Sonne nun am nächsten. Die Sonne befand sich jetzt nur noch knapp 4° über dem Horizont. Wir haben dieses Mal als Standort unseren Balkon und kurz vor Sonnenuntergang unseren Dachboden gewählt. Dort haben wir freie Sicht Richtung Westnordwest. In Eisingen ging die Sonne um 20:44:00 Uhr unter. Um 21:04:37 Uhr endete die partielle Finsternis mit dem letzten Kontakt von Sonne und Mond für uns nicht sichtbar unter dem Horizont.

Bildergalerie vom 12. August 2026

Maximum der Perseiden

Das Maximum der Perseiden wurde in der Nacht vom 12. auf den 13. August 2026 erreicht. Die aktivste Phase mit den meisten Sternschnuppen wurde in den frühen Morgenstunden des 13. August zwischen 04:00 und 06:00 Uhr MESZ erwartet. Da zeitgleich Neumond herrschte, blieb der Nachthimmel völlig dunkel und bot die besten Beobachtungsbedingungen seit Jahren.

Vorbereitung und Hintergrundwissen

Am Abend des 11. August 2026 haben wir unseren Platz für die Beobachtung der Sonnenfinsternis ausgesucht und erste Probeaufnahmen gemacht. Die Sonnenfleckenaktivität war niedrig. Nur die aktive Region AR 4508 am linken Rand konnte man gut erkennen. Aufgrund der mit 20% recht niedrigen Luftfeuchtigkeit war es sehr klar und wir mussten die Sonnenfinsternisbrille bis zum Sonnenuntergang tragen. Die drei Aufnahmen vom Sonnenuntergang wurden um 20:30 Uhr, 20:31 Uhr und 20:32 Uhr mit einer Belichtungszeit von 1/8000stel Sekunde mit ISO 100 und Blende 8 ohne Sonnenschutz von unserem Balkon aus aufgenommen. Am Tag der Sonnenfinsternis ging die Sonne in Eisingen um 20:44 Uhr unter. Ab 20:30 Uhr haben wir deshalb unseren Beobachtungsort vom Balkon im Obergeschoss hoch zum Dachboden verlegt.

Rückblick auf die rekordverdächtige Finsternis

  • Die Sonnenfinsternis am Mittwochabend, den 12. August 2026, war für die Region Mainfranken die tiefste und die mit der größten Bedeckung der Sonne stattfindende Finsternis für die nächsten mehr als 50 Jahre. Damit zählt sie zu den sehr seltenen und besonderen Himmelsereignissen, die wir von unserem Wohnort Eisingen aus genießen durften.
  • Erst am 3. September 2081 findet wieder eine Sonnenfinsternis statt, die in Teilen Mitteleuropas, den Alpen und im Südwesten Deutschlands als großes astronomisches Ereignis beobachtet werden kann. Es wird dies die erste totale Sonnenfinsternis in Mitteleuropa sein, seit der Finsternis vom 11. August 1999, die wir von der BAB A7 Raststätte Ellwanger Berge West in Baden-Württemberg aus bewundern konnten.

Verlauf der Finsternis von Sibirien bis zu den Balearen

Die Sonnenfinsternis am 12. August 2026 folgte einem langen, schmalen Pfad mit einer Breite von etwa 120 bis 130 Kilometern über die Erde – der sogenannten Totalitätszone. Der Schatten des Mondes berührte die Erde zuerst im hohen Norden über Sibirien und in den arktischen Regionen. Anschließend bewegte er sich über den Arktischen Ozean, Grönland und Island, woraufhin der Schatten den Atlantischen Ozean überquerte und Europa erreichte. Das europäische Festland wurde im Norden Spaniens überquert, danach blieb die Totalität auf den Balearen sichtbar, bevor die Sonne dort tief über dem Horizont unterging.

Der Punkt der maximalen Finsternis lag über dem Atlantischen Ozean, wo die totale Phase etwas mehr als zwei Minuten dauerte. Dies ist keine außergewöhnlich lange Totalität, aber sie war lang genug, um die volle Dynamik des Phänomens zu beobachten. Für diejenigen, die mehr als eine partielle Finsternis sehen wollten, war Reisen die einzige Option. Innerhalb Europas waren Island und Spanien besonders attraktive Reiseziele. In Island verlief die Totalitätszone über dem westlichen Teil der Insel, einschließlich Teilen der Westfjorde und der Region um Reykjavik. Die Sonne stand während der Totalität relativ hoch am wolkenverhangenen Himmel. Bei schönem Wetter hätten sich hier hervorragende Sichtbedingungen geboten. Die totale Phase dauerte etwa ein bis zwei Minuten. Regenschauer machten einer störungsfreien Beobachtung jedoch einen Strich durch die Rechnung.

Spanien bot dafür meist spektakuläre Beobachtungsmöglichkeiten, insbesondere im Norden und auf den Balearen. In diesen Regionen trat die Totalität am frühen Abend auf, etwa zwischen 20:25 Uhr und 20:35 Uhr Ortszeit. Die Sonne stand hier tief am Himmel, was für dramatische Lichtverhältnisse und lange Schatten sorgte, aber auch besondere Sorgfalt erforderte, um einen freien Blick auf den Horizont zu gewährleisten. Harald Lesch war heute live im ZDF zu sehen, wo er als Moderator und Experte das ZDF-Spezial zur totalen Sonnenfinsternis über Mallorca bei Sonnenuntergang begleitete. Lesch ist als Professor für theoretische Astrophysik an der Ludwig-Maximilians-Universität München sowie als Lehrbeauftragter für Naturphilosophie an der Hochschule für Philosophie München tätig.

Astronomische Einordnung und Periodizität: Der Saros-Zyklus 126

Um die Dynamik der Finsternis vom 12. August 2026 zu verstehen, ist ein Blick auf die zugrunde liegende Himmelsmechanik unerlässlich. Jede Sonnenfinsternis ist Teil einer Serie, die als Saros-Zyklus bezeichnet wird. Die Finsternis von 2026 trägt die Nummer 48 innerhalb des Saros-Zyklus 126, einer Serie, die insgesamt 72 Ereignisse umfasst. Dieser spezifische Zyklus begann am 10. März 1179 und wird erst am 3. Mai 2459 enden. Alle Finsternisse dieses Zyklus finden im absteigenden Knoten des Mondes statt, was bedeutet, dass der Mond die Ekliptik von Norden nach Süden kreuzt.

Ein Saros-Zyklus dauert etwa 18 Jahre und 11 Tage. Die unmittelbare Vorgängerin der Finsternis von 2026 war die sogenannte „sibirische Sonnenfinsternis“ vom 1. August 2008 . Die mathematische Präzision dieser Zyklen erlaubt es der Astronomie, die Sichtbarkeitszonen und Zeitfenster auf die Sekunde genau zu berechnen. Für das Ereignis im Jahr 2026 wurde das globale Maximum der Finsternis im Nordatlantik, westlich von Island, erreicht. An diesem Punkt, gelegen bei 65° 13.0′ nördlicher Breite und 25° 13.6′ westlicher Länge, erreichte die Totalität ihre maximale Dauer von 2 Minuten und 18,3 Sekunden. Die Breite der Zentralzone, in der die totale Verfinsterung stattfand, betrug dort beachtliche 293,8 Kilometer.

Saros-Zyklus – Ursprung und historischer Irrtum

Der Name Saros-Zyklus geht auf den englischen Astronomen Edmond Halley zurück, der den Begriff im Jahr 1691 einführte. Er leitete die Bezeichnung aus antiken und byzantinischen Quellen ab, stützte sich dabei jedoch auf einen historischen Irrtum. Edmond Halley übernahm das Wort aus dem Suda-Lexikon sowie Schriften von Plinius dem Älteren. Ursprünglich stammt der Begriff von dem sumerisch-babylonischen Wort Sar (oder Saros als griechische Form), das eine Großzahl (3600) bezeichnete. Die Babylonier kannten den Finsterniszyklus von rund 18 Jahren zwar bereits aus Keilschriften, nannten ihn in ihren Texten jedoch nicht „Saros“. Edmond Halley verband den babylonischen Begriff der Zahl 3600 fälschlicherweise mit der Finsternisperiode. Dieser eingebürgerte Name blieb bis heute bestehen.