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Die Eisheiligen im Jahr 2020 sind kraftvoll

Nebel und Reif in Eisingen am 12. Mai 2020 um 07:29 Uhr

Spielen die Eisheiligen im Wettergeschehen des Monats Mai eigentlich noch eine Rolle? Jedes Jahr fragt man sich, kommen sie pünktlich, kommen sie überhaupt? Sie heißen Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius und Sofia und haben uns früher oft den Frühling verhagelt. Die Eisheiligen, das ist der Zeitraum vom 11. bis 15. Mai, in dem nach Aufzeichnungen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) bis Mitte des 19. Jahrhunderts immer wieder Kaltlufteinbrüche beobachtet wurden.

 

2020 lassen die Eisheiligen die Muskeln spielen

In diesem Jahr kamen die Eisheiligen sehr pünktlich und ließen bislang auch kräftig die Muskeln spielen. Mamertus am 11. Mai zeigte sich in diesem Jahr im Süden Deutschlands sogar in einigen Regionen als „Schneeheilige“. Schnee war vor allem in den östlichen Mittelgebirgen ein Thema, allerdings zogen die Niederschläge rasch nach Süden ab, als die Kaltluft nachstieß. Vornehmlich im Erzgebirge war etwas Neuschnee zu erwarten. In der Nacht auf Dienstag war von den Alpen ausgehend bis weit ins Alpenvorland Schnee bis ins Tiefland zu erwarten. Durch Nassschnee in den Staugebieten von Alpen und Bayerischen Wald bestand dort das Risiko von Schneebruch in schon belaubten Wäldern.

In der Nacht zum Dienstag,12. Mai, machte dann die zweite Eisheilige Pankratius ihrem Namen alle Ehre. In der Mitte und im Norden zeigten sich die Sterne am Himmel und es gab bei längerem Aufklaren örtlich leichten Frost bis -3 Grad in zwei Meter Höhe und verbreitet Bodenfrost. Auch in den Nächten zum Mittwoch und zum Donnerstag zeigen Servatius und Bonifatius dass man sie dieses Jahr ernst nehmen muss. Es kann wieder vor allem in der Mitte und im Norden Deutschlands örtlich leichten Frost in 2 Meter Höhe geben und verbreitet muss mit Bodenfrost bis -4 Grad gerechnet werden. Auch die letzte der Eisheiligen, die kalte Sofia, fällt dieses Jahr (15. Mai) nicht aus der Rolle. In zwei Meter Höhe soll es dann zwar schon frostfrei bleiben, aber am Boden kann es in der Mitte und im Osten Deutschlands nochmals leichten Frost geben.

Häufig wiederkehrende Witterungsphänomene wie die Eisheiligen bezeichnet man als Singularitäten. Ursache solcher Kaltlufteinbrüche mit ungemütlichen Temperaturen sind Nord- oder Nordwestwetterlagen, die arktische Polarluft auf direktem Wege nach Mitteleuropa führen.

 

Bischöfe und Märtyrer gaben den Namen

Die Namenstage sind die frühchristlicher Bischöfe und Märtyrer. In Norddeutschland gelten vor allem die Tage vom 11. bis 13. Mai als Eisheilige (Mamertus, Pankratius und Servatius). Im Süden und Südosten Deutschlands zählen noch der 14. (Bonifatius) und der 15. Mai (kalte Sofia) dazu. Dort ist dann der 11. Mai nicht gültig. Die eintägige Differenz entsteht, weil die Kaltluft bei Eintritt der Nordwetterlagen rund 24 Stunden benötigt, um von der Küste bis zu den Alpen vorzudringen. Ein Kaltlufteinbruch im Mai kann in ungünstigen Lagen oder auch im Alpenvorland durchaus noch mal Frost bringen. Vor allem Gärtner und Winzer fürchten die Schäden an jungen Kulturen, die oft schon bei geringen Kältegraden eintreten können.

In den vergangenen Jahren sind die Eisheiligen oft ganz ausgeblieben. Manchmal kam es zu Kaltlufteinbrüchen bereits Anfang Mai oder erst Ende Mai. Fröste traten jedoch auch dann immer seltener auf. Gelegentlich wurden die Eisheiligen bei Tageshöchstwerten von über 25 Grad Celsius sogar zu „Schweißheiligen“. Deshalb ist die Frage berechtigt, ob man eigentlich noch von einer echten Singularität sprechen kann. Viele Experten führen die Veränderungen auch auf den Klimawandel zurück, denn mit der stetigen Erwärmung der globalen Atmosphäre fallen auch Kaltlufteinbrüche im Mai immer weniger frostig aus.

 

Quelle: Deutscher Wetterdienst (DWD)

Die Eisheiligen im Jahr 2020 sind kraftvoll

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