Infotafel für Radfahrer auf dem Weg zum Irtenberger Wald

Radfahren und Wandern im Bereich der Altertheimer Mulde

Nahezu wöchentlich starten wir Wanderungen und Radtouren von unserem Wohnort Eisingen aus, meist durch bzw. innerhalb des westlichen Landkreises Würzburg. Nicht zuletzt wegen des öffentlichen Interesses zieht es uns immer wieder in die Gegend um die Altertheimer Mulde.

Der westliche Landkreis Würzburg umfasst mehrere Gemeinden im Maintal und auf der Höhe westlich der Stadt Würzburg, darunter neben Eisingen bekannte Orte wie Altertheim, Greußenheim, Helmstadt, Höchberg, Holzkirchen, Kist, Kleinrinderfeld, Leinach, Margetshöchheim, Neubrunn, Remlingen, Uettingen, Waldbrunn, Waldbüttelbrunn und Zell. Sanfte Hügellandschaften, Waldgebiete, wie der Irtenberger Wald, und die Nähe zum Maintal kennzeichnen die Gegend. Die Region ist über die Bundesautobahnen A 3 und A 81 sowie über Bundesstraßen, Staatsstraßen und Kreisstraßen sehr gut an das Oberzentrum Würzburg angebunden.

Die Altertheimer Mulde bezeichnet eine geologische Formation im westlichen Landkreis Würzburg, im bayerischen Regierungsbezirk Unterfranken, die über eines der hochwertigsten und bedeutendsten Naturgipsvorkommen Deutschlands verfügt. Sie erstreckt sich im Wesentlichen über die Gemeindegebiete von Altertheim, Waldbrunn, Helmstadt sowie das gemeindefreie Gebiet Irtenberger Wald im westlichen Landkreis Würzburg gelegen.

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Da der in Deutschland als Nebenprodukt der Kohlekraftwerke anfallende REA-Gips schrittweise bis zum gesetzlichen Kohleausstieg spätestens Ende 2038 wegbricht und die Mengen in den kommenden Jahren drastisch sinken, gewinnt diese Lagerstätte massiv an strategischer Bedeutung für die Bauindustrie. Das Areal ist Schauplatz eines der am heftigsten diskutierten Bergbauprojekte im Freistaat Bayern. Die Bauarbeiten für das geplante Gipsbergwerk von Knauf in Altertheim haben noch nicht begonnen. Das Projekt befindet sich nach wie vor in der Planungs- und Genehmigungsphase, weshalb noch keine rechtliche Erlaubnis für einen Baubeginn oder Abbau vorliegt.

YouTube Video vom 23.04.2025

Altertheim im westlichen Landkreis Würzburg

Altertheim besteht aus den drei Ortsteilen Oberaltertheim, Unteraltertheim und Steinbach (Einwohnerzahl: 1.959, Stand: 31. März 2026 ). Die Gemeinde liegt im Altbachtal, rund 20 Kilometer südwestlich von Würzburg, direkt an der Grenze zu Baden-Württemberg. Altertheim ist Teil der Verwaltungsgemeinschaft Kist. Der Ort schließt sich südlich an das Gebiet von Helmstadt und Waldbrunn an und liegt westlich von Kist. Wie auf der offiziellen Website der Gemeinde Altertheim beschrieben, prägt die ländliche Idylle des Altbachtals die Region, die ein beliebtes Ziel für lokale Wanderungen und Radtouren darstellt.

    Das geplante Bergbauprojekt Altertheimer Mulde

    Das Industrieunternehmen Knauf Gips KG plant bei Oberaltertheim den Neuaufschluss eines untertägigen Gipsbergwerks.

    • Abbaumenge: Vorgesehen ist die Förderung von bis zu einer Million Tonnen Gips pro Jahr.
    • Laufzeit: Das Projekt ist langfristig auf einen Zeitraum von etwa 50 Jahren ausgelegt.
    • Verarbeitung: Der abgebaute Rohstoff soll untertage gewonnen und zur Weiterverarbeitung per Lkw in die nahegelegenen Knauf-Werke nach Iphofen und Markt Einersheim transportiert werden.

    Aktueller Planungsstand & Kontroversen

    Das Vorhaben ist in der Region hochgradig umstritten und führt zu anhaltenden Konflikten zwischen Wirtschaftlichkeit und Umweltschutz.

    • Trinkwasserschutz im Fokus: Die größte Sorge der Kritiker und lokalen Trinkwasserversorger betrifft die Zeller Quellen, die Würzburg und die Region mit Trinkwasser versorgen. Die Gipsschicht liegt unterhalb des Grundwasserleiters. Während Bürgerinitiativen und die Wasserversorgung Würzburg (WVV) unkalkulierbare Risiken oder Verunreinigungen befürchten, verweist Knauf auf geologische Trennschichten und Gutachten, die das Verfahren als sicher einstufen.
    • Widerstand der Bevölkerung: Bei Bürgerentscheiden im Jahr 2025 stimmte eine Mehrheit der lokalen Bevölkerung gegen das Bergwerk. Zudem gingen tausende Einwände beim Bergamt ein. Das Projekt ist in der Region stark umstritten. Die Stadt Würzburg bereitet wegen anhaltender Sorgen um das Trinkwasser bereits Klagen gegen eine mögliche Genehmigung vor.
    • Behördliches „Grünes Licht“: Im Juni 2026 schloss die Regierung von Unterfranken die Raumverträglichkeitsprüfung positiv ab. Die Behörde bewertete das Projekt unter strengen, weitreichenden Auflagen zum Grundwasserschutz als raumverträglich, da die Rohstoffsicherung und der wirtschaftliche Nutzen für die Region schwerer wiegen. Das finale bergrechtliche Genehmigungsverfahren liegt beim Bergamt Nordbayern. Die Entscheidung steht noch aus.
    • Zeitplan: Der Baustoffkonzern Knauf Gips KG peilt den Beginn des Gipsabbaus unverändert für das Jahr 2027 an, sofern alle rechtlichen Hürden genommen werden

    Wie hoch könnte die Belastung des Verkehrs durch die eingesetzten Lkw sein?

    Für den geplanten Gipsabbau in der Altertheimer Mulde hängen die Lkw-Zahlen pro Tag maßgeblich vom jeweiligen Betriebszustand und der jährlichen Fördermenge des Betreibers Knauf Gips KG ab.

    In den offiziellen Planungs- und Verträglichkeitsdokumenten werden folgende Werte genannt:

    • Betriebszustand 1 (Anfangsphase ab voraussichtlich 2027): Bei einer anfänglichen Fördermenge von rund 300.000 Tonnen Gips pro Jahr ist mit 96 Lkw-Fahrten am Tag (bzw. ca. 48 Lkw täglich) zu rechnen. Dies entspricht tagsüber etwa 3 Lkw pro Stunde.
    • Betriebszustand 2 (Spitzenphase ab voraussichtlich 2032): Steigt die Abbauleistung auf die maximale Spitze von bis zu 1 Million Tonnen pro Jahr, erhöht sich das Aufkommen auf bis zu 320 Lkw-Fahrten am Tag (ca. 160 Lkw täglich). Das entspricht tagsüber rund 10 Lkw pro Stunde bzw. Lkw-Verkehr im 5-Minuten-Takt.

    Hinweis zur Zählweise: In der Verkehrsplanung wird oft zwischen „Lkw“ (einzelne Fahrzeuge) und „Lkw-Fahrten“ (Hin- und Rückfahrt zählen jeweils einzeln) unterschieden. Die Kritiker und Bürgerinitiativen des Projekts weisen auf Basis dieser Zahlen regelmäßig auf die erhebliche Belastung durch den täglichen Zu- und Abfahrtsverkehr von über 300 Fahrten hin. In einigen Einwänden wird im maximalen Szenario inklusive aller Nebeneffekte sogar von bis zu 413 Lkw pro Tag auf den betroffenen Straßen gesprochen.

    Geplantes Bergwerk der Knauf Gips KG in der Altertheimer Mulde:

    Regierung von Unterfranken schließt Raumverträglichkeitsprüfung ab

    Die Regierung von Unterfranken hat in ihrer Funktion als höhere Landesplanungsbehörde die Raumverträglichkeitsprüfung für ein geplantes Gipsbergwerk der Knauf Gips KG in der Altertheimer Mulde, Landkreis Würzburg, durchgeführt und mit der landesplanerischen Beurteilung vom 25.06.2026 abgeschlossen. Im Ergebnis beurteilt die Regierung das Vorhaben als raumverträglich, allerdings unter der Voraussetzung einer Vielzahl strenger Maßgaben.

    Das geplante Bergwerk umfasst einen über rund 50 Jahre andauernden untertägigen Gipsabbau mit einer Fördermenge von bis zu 1 Million Tonnen Gips pro Jahr. Das Vorhabensgebiet liegt im Südwesten des geplanten Trinkwasserschutzgebiets für die Zeller Quellen, das für die Wasserversorgung der Stadt Würzburg von großer Bedeutung ist. Der Abbaubereich des Bergwerks umfasst etwa 10 Prozent des rund 66 km² großen Trinkwassereinzugsgebiets (ca. 7 km²). Die Trinkwasserversorgungen von Altertheim und Waldbrunn sind ebenfalls betroffen. Die Raumverträglichkeitsprüfung wurde daher mit besonderem Augenmerk auf den Grund- und Trinkwasserschutz durchgeführt.

    Als grundlegende Voraussetzung für die Raumverträglichkeit des Vorhabens war zu prüfen, ob der Trinkwasserschutz mit dem Betrieb des geplanten Bergwerks im notwendigen Maße gewährleistet werden kann. Die hierfür angestellten hydrogeologischen Untersuchungen im Auftrag der Knauf Gips KG, die auch ein umfangreiches Bohrprogramm umfassten, wurden von der Regierung von Unterfranken, dem Wasserwirtschaftsamt Aschaffenburg, dem Landesamt für Umwelt, dem Bergamt Nordbayern und den Wasserversorgern über vier Jahre intensiv begleitet. Im Ergebnis geht die Regierung von Unterfranken nach intensiver fachlicher Prüfung davon aus, dass bei Umsetzung strenger Maßgaben zum Grund- und Trinkwasserschutz kein unkalkulierbares Risiko für die öffentliche Trinkwasserversorgung droht. Ein Restrisiko verbleibt, wird jedoch als beherrschbar bewertet, weil technische Maßnahmen insbesondere zur Erhaltung der Integrität der Trennschicht zwischen dem Grundwasserleiter und dem darunter liegenden Bergwerk sowie zur Begrenzung der Zusickerung vorgesehen sind. Eine signifikante Verminderung des Wasserdargebots für die Trinkwasserversorgung wird so verhindert. Dem Unternehmen Knauf wurde u.a. als Maßgabe auferlegt, den Betrieb des Bergwerks bei höheren als den prognostizierten Zusickerungsraten oder bei Anzeichen für eine Gefährdung des Trinkwassers anzupassen oder vorzeitig einzustellen.

    Als weitere raumbedeutsame Auswirkungen des Vorhabens berücksichtigt die landesplanerische Beurteilung Belastungen durch den Schwerlastverkehr sowie Auswirkungen des Vorhabens auf das Landschaftsbild und die Naherholung. Als wesentliche positive Wirkungen des Projektes flossen die langfristige Sicherung der heimischen Rohstoffversorgung mit Gips, der Erhalt und die Schaffung von Arbeitsplätzen sowie die Stärkung der wirtschaftlichen Entwicklung in der Region Würzburg in die Gesamtabwägung der Regierung ein. Hinzu kommt der Vorteil, dass durch die heimische Rohstoffgewinnung überregionale und grenzüberschreitende Gipsimporte und damit verbundene Transportemissionen reduziert oder überflüssig werden.

    Für die landesplanerische Beurteilung wurden Gutachten und Stellungnahmen von 79 Trägern öffentlicher Belange und rd. 4.350 Einwendungen aus der Öffentlichkeit sowie eine Online-Petition mit über 5.600 Unterzeichnern geprüft und abgewogen. Die Bewertung des Vorhabens als raumverträglich steht ausdrücklich unter dem Vorbehalt, dass die umfangreichen Maßgaben umgesetzt und ggf. fortgeschrieben werden. Die landesplanerische Beurteilung fließt nun in das bergrechtliche Genehmigungsverfahren des Bergamtes Nordbayern in der Regierung von Oberfranken ein.

    Quelle: Regierung von Unterfranken – PM vom 26.06.2026

    Mediathek

    Die landesplanerische Beurteilung ist mit allen Gutachten und Stellungnahmen als 1.166 Seiten umfassende PDF-Datei ► hier abrufbar.